Gefährliche Körperverletzung statt versuchter Totschlag
schreibmaschine | 27. November 2007 — Weil er einen hilflosen Betrunkenen an einer Straßenbahnhaltestelle auf dem Heuchelhof brutal zusammengetreten hat, muss ein 23…
Mit einer brutalen Attacke auf einen Betrunkenen muss sich seit Dienstag das Würzburger Schwurgericht beschäftigen: Ein 22-Jähriger hat an einer Straßenbahnhaltestelle brutal auf einen Mann aus dem Stadtstreicher-Milieu eingeschlagen und eingetreten. Der Angeklagte muss sich wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten.
Die Tat beruht offenbar auf einem Missverständnis: Der Angeklagte und das spätere Opfer hatten am Abend des 5. August 2006 zusammen mit anderen Personen in einer Wohnung am Heuchelhof gefeiert und dabei große Mengen Alkohol konsumiert. Irgendwann kam es zum lautstarken Streit zwischen den beiden Männern. Schon in der Wohnung soll der 22-Jährige zusammen mit einem anderen Mann den Obdachlosen mit Fäusten ins Gesicht geschlagen und ihn getreten haben. Dann verließen der Angeklagte und der Obdachlose die Wohnung, noch bevor die von einem Nachbarn wegen der Lärmbelästigung gerufene Polizei eintraf. Der Angeklagte ging dann irrtümlich davon aus, dass der Obdachlose die Polizei gerufen hatte, und stellte den 43-Jährigen an der Straba-Haltestelle zur Rede.
In einer von seinem Verteidiger Dr. Hanjo Schrepfer verlesenen Erklärung gab der 22-Jährige zu, aus Wut immer wieder auf das Opfer eingeschlagen und eingetreten zu haben. „Ich wollte ihn nicht töten, ich wollte ihm nur eine Abreibung verpassen. Wegen des Alkohols habe ich die Kontrolle verloren und bin ausgerastet“, heißt es in dem Geständnis. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte bei den massiven Schlägen und Tritten den Tod des Obdachlosen billigend in Kauf genommen hat.
Das Opfer selbst weiß gar nichts mehr. Der 43-Jährige lebte damals auf der Straße und hatte an jenem Abend 2,5 Promille Alkohol im Blut. „Das war ein Dauerzustand bei mir“, sagte der 43-Jährige im Zeugenstand. Zehn Tage nach der Tat wachte er im Krankenhaus aus einem künstlichen Koma auf, in das er wegen seiner schweren Kopfverletzungen versetzt worden war. Passanten hatten den Mann mit lebensgefährlichen Verl…
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