Welcher Pflichtverteidiger
STRAFSACHEN | 3. Februar 2011 — Den Mandanten vertrete ich schon seit einigen Jahren. Vorher war er bei einem anderen Kollegen. Aus dieser Zeit gibt es noch ein…
Ich vertrete Mandanten in einem selbstständigen Beweisverfahren. Mit Zustellung des Antrages der Gegenseite teilte das Gericht mit, den Sachverständigen X, falls keine Einwände erhoben werden, beauftragen zu wollen. Einwände wurden nicht erhoben. Im Beweisbeschluss steht nun, dass der Sachverständige Y beauftragt werden soll.
Nun wittern meine Mandanten eine Verschwörung. Es folgen zahlreiche Anrufe. Nicht nur bei mir, wie ich später erfahre. Man macht sich Sorgen. Soll da etwa gemauschelt werden? Gegen den neuen Sachverständigen hat man nichts, man kennt ihn ja nicht. Aber trotzdem.
Ich erkläre den Mandanten, dass das Gericht nach eigenem Ermessen zu entscheiden hat, welcher Sachverständige beauftragt wird. Vielleicht sei der zuerst vorgesehene Sachverständige ja nur überlastet. Nein, meinen die Mandanten, den hätte man ja gefragt. Hmm.
Problematisch ist, dass auf Nachfrage bei Gericht (”Ihre Mandanten haben das auch schon gefragt.”) keiner so genau erklären kann, warum sich der Richter umentschieden hat. Futter für die Verschwörungstheorie. Anscheinend ist man aber bei Gericht um Aufklärung bemüht, denn kurz nach einem neuerlichen Anruf der Mandanten bei mir ruft mich die Geschäftsstelle an. Der Richter lässt mitteilen, er habe sich allein deshalb für einen anderen Sachverständigen entschieden, weil dieser aufgrund seiner fachlichen Qualifikation im vorliegenden Fall besser geeignet sei. Das überzeugt dann endlich auch die Mandanten. Puh.
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