Verletzung von Mitwirkungspflichten

Das Finanzgericht darf im Allgemeinen erst dann eine Verletzung von Mitwirkungspflichten annehmen, wenn es den Beteiligten zuvor ausdrücklich und konkret zur Mitwirkung aufgefordert hat.

Im hier vom Bundesfinanzhof entschiedene Fall hatte das Finanzgericht den Kläger zu keinem Zeitpunkt aufgefordert, Kontoauszüge zu den unterhaltenen Konten vorzulegen. Eine Verletzung von Mitwirkungspflichten wird im Allgemeinen aber erst dann angenommen werden können, wenn ein Beteiligter auf ausdrückliche Aufforderung des Finanzgerichts (§ 79 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 FGO) eine ihm mögliche Äußerung zu Tatsachen oder die Herausgabe solcher Unterlagen verweigert, die sich in seinem Besitz befinden, sich bei ordnungsmäßiger Erfüllung der gesetzlichen Aufbewahrungspflichten oder bei ordnungsmäßiger Führung des Verfahrens in seinem Besitz hätten befinden müssen oder die er sich in zumutbarer Weise beschaffen könnte.

Schon der Wortlaut der gesetzlichen Regelungen spricht dafür, dass zunächst das Finanzgericht tätig geworden sein muss, bevor es das Verhalten eines Beteiligten dahingehend werten kann, dass diesem eine Verletzung von Mitwirkungspflichten zur Last fällt. Denn in § 76 Abs. 1 Satz 2 FGO heißt es, die Beteiligten seien bei der gerichtlichen Sachaufklärung “heranzuziehen”. Das Gesetz weist die Pflicht zur Sachaufklärung damit dem Gericht zu, das den Beteiligten in diesem Rahmen konkr…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Mitwirkungspflicht
Rechtsgebiet: Steuerrecht

Erschienen 16. Februar 2012 auf http://www.rechtslupe.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Wirkungsloser Verzicht auf mündliche Verhandlung vor dem Finanzgericht

Rechtslupe | 27. April 2011 — Ein vom Kläger erklärter Verzicht auf mündliche Verhandlung wird wirkungslos, wenn das FG gleichwohl eine mündliche Verhandlung…

Mitwirkungspflichten und die Feststellungslast

Rechtslupe | 21. Juli 2011 — Vor einer Entscheidung nach den Regeln der Feststellungslast ist vorrangig regelmäßig der entscheidungserhebliche Sachverhalt a…

§ 7a SGB IV

Scheinselbständig | 4. Januar 2012 — (1) Die Beteiligten können schriftlich eine Entscheidung beantragen, ob eine Beschäftigung vorliegt, es sei denn, die Einzugsstell…

Der Parteivortrag und die Erwägungen des Gerichts

Rechtslupe | 25. Mai 2011 — Art. 103 Abs. 1 GG gewährleistet den Beteiligten eines gerichtlichen Verfahrens das Recht, vor Gericht Anträge zu stellen und…

BGH: Bundespatentgericht und Art. 103 I GG - "WEST" - Ist im markenrechtlichen Löschungsverfahren nicht auszuschließen, dass die a…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 2. Mai 2007 — 1. Ist im markenrechtlichen Löschungsverfahren nicht auszuschließen, dass die angefochtene Beschwerdeentscheidung auf der Versagun…

Verletzung der Mitwirkungspflicht beim Asylverfahren

Rechtslupe | 2. November 2011 — Eine gröbliche Verletzung seiner Mitwirkungspflichten nach § 25 Abs. 1 AsylVfG liegt noch nicht vor, wenn der Asylbewerber zum …

Der übergangene Zeugenbeweis-Antrag

Rechtslupe | 16. Februar 2012 — Ein zulässiger Antrag auf Erhebung eines Zeugenbeweises setzt nicht stets die Angabe einer ladungsfähigen Anschrift des Zeugen …

BFH: Von Banken kann Vorlage von Kontoauszügen eines Kunden erst nach vorherigem Auskunftsersuchen verlangt werden

STEUERRECHT | 7. April 2010 — BFH-Urteil vom 24.02.2010 – II R 57/08 Pressemeldung Nr. 28 des Bundesfinanzhofs (BFH): “Der Bundesfinanzhof (BFH) hat du…

Schwarzeinkäufe und der Amtsermittlungsgrundsatz des Finanzgerichts

Rechtslupe | 22. März 2012 — Das Finanzgericht hat die Verpflichtung, den Sachverhalt von Amts wegen zu erforschen, § 76 Abs. 1 Satz 1 FGO. Die Verpflichtun…

Anhörungsrüge und Parteivortrag

Rechtslupe | 12. Mai 2011 — Art. 103 Abs. 1 GG gewährleistet den Beteiligten eines gerichtlichen Verfahrens das Recht, vor Gericht Anträge zu stellen und…