Verkehr in Deutschland entspannt sich nach Schneechaos

Berlin/London/Paris (Reuters) - Während Reisende in Deutschland auf einen weitgehend normalen Flug- und Bahnverkehr vor Weihnachten hoffen dürfen, herrscht in Großbritannien weiter Schnee-Chaos.

Die Lufthansa kündigte an, ab Mittwoch wieder zu einem weitgehend regulären Flugbetrieb zurückzukehren. Die Deutsche Bahn richtete zudem einen Sonderfahrplan für Fernzüge ein, um möglichst alle Reisenden an ihr Ziel zu bringen. Am Dienstag kam es zunächst aber auch in Deutschland noch zu zahlreichen Ausfällen und Verspätungen. Der Frankfurter Flughafen wurde am Dienstagmorgen wegen heftiger Schneefälle mehrere Stunden gesperrt. Mehr als 400 Flüge fielen aus. Auch bei der Bahn kam es zu Verspätungen und Zugausfällen.

In Großbritannien und der Hauptstadt London war weiterhin kaum Entspannung in Sicht: British Airways kündigte auch für die kommenden Tage einen turbulenten Flugverkehr an. "Die schwierigen Wetterbedingungen wirbeln unseren Betrieb durcheinander und werden das auch noch bis Weihnachten tun", teilte die britische Fluggesellschaft mit.

Am größten europäischen Flughafen in London Heathrow warten Tausende Menschen zum Teil seit Tagen auf ihren Weiterflug. Dort kommt der Flugverkehr nicht richtig in Gang, weil wegen Schnee und Eis lange nur eine Start- und Landebahn zur Verfügung stand. Erst am Dienstagabend konnten auch auf der zweiten Piste wieder Maschinen starten und landen. Allerdings haben die britischen Behörden auch für die kommenden Tage wieder Wetterwarnungen für weite Teile des Landes veröffentlicht.

Die Deutsche Bahn kündigte an, ab Mittwoch ihr Angebot vor allem auf den Nord-Süd-Verbindungen auszubauen, um den Weihnachtsverkehr auf den Hauptstrecken zu bewältigen. "Wir haben erhebliche Mehrbelastungen", sagte Fernverkehrs-Vorstand Berthold Huber. Im Dezember allein habe es auch wegen des Ausfalls von innerdeutschen Flugverbindungen rund eine halbe Million mehr Buchungen als normal gegeben. Derzeit würden etwa täglich 50.000 Reisen mehr gebucht, an Spitzentagen wie Freitag sogar 100.000. Auf den wichtigsten Nord-Süd- und Ost-West-Routen zwischen Metropolen wie München, Stuttgart, Frankfurt, Köln, Hamburg und Berlin seien damit rund ein Drittel mehr Fahrgäste unterwegs. Diese Hauptverbindungen sollen nun mit zusätzlichen IC-Zügen verstärkt werden, die von anderen Trassen abgezogen würden. Dort wiederum sollen, wenn auch teils in geringerer Frequenz, Regionalzüge fahren.

Bei der Bahn gab es am Dienstag im Fernverkehr Verspätungen zwischen 20 und 25 Minuten. Zudem fielen einige Züge aus. Wegen der verschärften Wartungsintervalle für die Achsen und dem kalten Winterwetter fehle es der Bahn einfach an Zügen. "Es ist alles draußen, was rollen kann." Bahn-Vorstand Ulrich Homburg entschuldigte sich bei den Kunden für die Zugausfälle und Verspätungen. Der Deutsche Wetterdienst sagte für den Norden Deutschlands weitere Schneeschauer voraus.

TAUSENDE FLUGAUSFÄLLE

Allein am Montag wurden nach Angaben der europäischen Flugsicherung in Europa 3000 Flüge gestrichen. Um im besonders schlimm getroffenen Großbritannien dennoch eine möglichst rasche Rückkehr zur Normalität zu erreichen, lockerte die britische Regierung das Nachtflugverbot in Heathrow. Dort dürfen Flugzeuge nun bis Weihnachten jeden Tag bis ein Uhr Nachts Ortszeit landen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte sich für einen ähnlichen Schritt in Deutschland ausgesprochen und die Länder zum Handeln aufgerufen.

Wegen dem seit Tagen anhaltenden Schneechaos sind viele Flugzeuge gar nicht an ihrem eigentlichen Flughafen geparkt, weil sie dort nicht landen konnten. Der Frankfurter Flughafen arbeitet nun daran, wieder zu einem geregelten Flugplan zurückzukehren. "Erst mal müssen alle Umläufe wieder organisiert werden", sagte Firmenchef Stefan Schulte Reuters TV. "Das ist sehr, sehr schwer zu koordinieren und das muss jetzt langsam wieder aufgebaut werden." Seit Freitag fielen am größten deutschen Flughafen rund 1000 Flüge aus.

HUNDERTE PASSAGIERE SITZEN IN ZÜGEN FEST

Bahnkunden in Großbritannien waren nicht viel besser dran. Wegen eines Oberleitungsschadens kam der Zugverkehr zwischen London und dem Nordosten des Landes zum Erliegen. Mehrere hundert Fahrgäste steckten in Zügen auf den Strecken fest und mussten evakuiert werden.

Der Eurostar, der die britische Insel mit dem europäischen Festland verbindet, hat seinen Betrieb wegen des schlechten Wetters eingeschränkt. "Wir bitten alle Kunden, die eine Reise vor Weihnachten gebucht haben, ihre Tickets zurückzugeben oder kostenfrei umzubuchen, wenn ihre Reise nicht unbedingt notwendig ist", teilte der Betreiber mit.

Schnee und Eis führten auch bei der Deutschen Post zu Verspätungen, sagte ein Sprecher. Wer sicherstellen wolle, dass die Geschenke am 24. Dezember unter dem Weihnachtsbaum liegen, sollte seine Sendungen noch am Dienstag aufgeben.



Quelle: Reuters (21. Dezember 2010)

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Themen: Germany , Lufthansa , Western Europe , Europe , Corporate Results , Airlines , Deutsche Bahn , Berthold , Airline Services , Rails / Roads Transportation , Results Forecasts / Warnings , Weather Markets / Weather

Erschienen 21. Dezember 2010 bei http://www.reuters.com.

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