Verbrauchsgüterkauf im E-Commerce – Rechtebewertung des Privatverkaufs oder Verbrauchsgüterkaufs

Im E-Commerce stellt sich immer wieder die Frage, ob ein Verbrauchsgüterkauf vorliegt mit allen seinen rechtlichen Folgen wie Informationspflichten des Verkäufers und eben auch einer Widerrufsmöglichkeit durch den Erwerber. Die Frage, ob ein Verbrauchsgüterkauf oder ein Privatgeschäft vorliegt ist oftmals nicht ganz einfach zu beurteilen. Der Shopbetreiber-Blog hat nunmehr auf zwei interessante Entscheidungen des letzten Jahres hingewiesen. So hatte das AG Münster über einen Fall zu entscheiden (Urteil vom 29.08.2007, Aktenzeichen 7 C 4311/07) in dem der Kunde als Kläger den Widerruf eines Kaufvertrages über Dunstabzugshaube erklärt hat. Der Kunde hatte die Ware für die Küche in seiner Privatwohnung erworben, bei der Bestellung jedoch seine betriebliche E-Mail Adresse und sein betriebliches Bankkonto für die Zahlung angegeben. Ferner hatte er im Stellformular in das Feld „Firma“ den Namen seiner Galerie eingetragen, obwohl diese Angabe für eine Bestellung nicht notwenig war. Er gab als Lieferadresse dann aber seine Privatadresse an. Nach Auffassung des Gerichts liegt hier kein Verbrauchsgüterkauf vor. Der Kunde habe hier nicht als Verbraucher im Sinne von § 13 BGB sondern als Unternehmer im Sinne von § 14 BGB gehandelt. Die gesetzliche Regelung über das Widerrufsrecht käme daher nicht zur Anwendung. Nach Ansicht des Gerichts entscheide über die Zuordnung zum privaten und unternehmerischen Bereich nicht der innere Wille des Handelnden, sondern der durch Auslegung zu ermittelnde Inhalt des Rechtsgeschäfts, in die auch die Begleitumstände einzubeziehen seien. Dabei sei auf eine Beurteilung ex ante, also bei Vertragsschluss, abzustellen. Interessanterweise hat das AG Münster auch noch festgestellt, dass bei Zweifelsfragen zur Verbrauchereigenschaft zu Gunsten des Unternehmers zu entscheiden sei. In dem bei LG Münster zu entscheidenden Sachverhalt war aus Sicht des objektiven Empfängers der Kläger ein Unternehmer, denn die E-Mail unter Angabe seines Firmennamens konnte nur als eine Bestellung für die Firma ausgelegt werden. Dies würde auch noch durch die Bezahlung vom betrieblichen Konto bestätigt. Allein die Tatsache einer abweichenden Lieferadresse führe nicht zu einer anderen Beurteilung, da diese nichts darüber aussagt, ob der Kaufgegenstand betrieblich oder privaten Zwecken dienen solle. Die zweite Entscheidung ist eine Entscheidung des AG Hamburg-Wandsbek, welche noch nicht rechtskräftig ist (Urteil vom 13.06.2008, Aktenzeichen 716 A C 11/08). Hier hatte die Kundin über eine Internetplattform unter anderem drei Lampen an ihre Büroanschrift bestellt. Unmittelbar nach Erhalt der Lampen erklärte sie aber den Widerruf. Das Gericht hat hier die Verbrauchereigenschaft der Klägerin bejaht. Dies wurde mit Zeugenaussagen begründet, wonach die Ware trotz Lieferung an eine Büroanschrift privaten Zwecken diene. Die Zeugen hätten bestätigt, dass die bestellten Lampen nicht für das Büro der Klägerin vorgesehen waren, da die Klägerin zum einen derartige Kompet…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links


Erschienen 12. Februar 2009 auf http://www.drbuecker.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Widerrufsrecht bei Kauf im Internet: Wann ist der Kunde Verbraucher?

IT-Recht Kanzlei - Nachrichten | 6. Mai 2009 — Bei der Beurteilung, ob ein Kunde Verbraucher im Sinne des § 13 BGB ist, kommt es laut dem LG Hamburg auf die (objektivierte) S…

BGH zur Abgrenzung des Verbraucherbegriffs

BLOG | MEIN-RECHT-IM-NETZ.DE | 1. Oktober 2009 — Verbraucher sein oder nicht sein? Das ist hier die Frage! Der unter anderem für das Kaufrecht zuständige VIII. Zivilsenat des B…

UPDATE: Kein Widerrufsrecht bei privater Warenbestellung zum Arbeitsplatz

IT-Blawg | 1. Oktober 2009 — So lautete die Quintessenz des Urteilsspruches des LG Hamburg vom 16.12.2008 (Az.309 S 96/08). Eine Rechtsanwaltskollegin hat…

Widerruf durch Unternehmer? Abgrenzung Verbraucher / Unternehmer bei Ausübung des Widerrufsrechts

legal webhosting | 21. März 2012 — In regelmäßigen Abständen werden mir Fälle berichtet, in denen eine Bestellung unter dem Namen eines Gewerbetreibenden oder einer …

Bundesgerichtshof: Klärung des Verbraucherbegriffs in § 13 BGB bei natürlichen Personen, die auch selbständig freiberuflich tätig …

fachanwaltsliste.de | 2. Oktober 2009 — Urteil vom 30. September 2009 - VIII ZR 7/09 AG Hamburg-Wandsbek - Urteil vom 13. Juni 2008 – 716A C 11/08 LG Hamburg - Urt…

BGH (VIII ZR 7/09 ) Klärung des Verbraucherbegriffs in § 13 BGB bei natürlichen Personen, die auch selbständig freiberuflich tätig…

Recht für Verbraucher | 1. Oktober 2009 — Klärung des Verbraucherbegriffs in § 13 BGB bei natürlichen Personen, die auch selbständig freiberuflich tätig sind Der unter…

Bundesgerichtshof: Klärung des Verbraucherbegriffs in § 13 BGB bei natürlichen Personen, die auch selbständig freiberuflich tätig …

fachanwaltsliste.de | 2. Oktober 2009 — Urteil vom 30. September 2009 – VIII ZR 7/09 AG Hamburg-Wandsbek – Urteil vom 13. Juni 2008 – 716A C 11/08 LG Hamburg – Urt…

Medizinrecht: Verbraucherschutz gilt auch für niedergelassene Ärzte

Meyer-Köring v.Danwitz | 27. Januar 2010 — In einer aktuellen Entscheidung hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass auch einem selbstständigen Freiberufler bei einer …

BGH: Klärung des Verbraucherbegriffs

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 1. Oktober 2009 — Der unter anderem für das Kaufrecht zuständige VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, unter welchen Vorausset…

Rechtsanwälte, Verbrauchereigenschaft und das Widerrufsrecht

Dr. Behrmann & Härtel | 1. Oktober 2009 — Der Bundesgerichtshof hat heute (30.9.2009, VIII ZR 7/09) entschieden, dass eine natürliche Person, die sowohl als Verbraucher …

Praxis-Beiträge zu den Themen Abmahnung, Widerrufsrecht, eBay, Studien, Interviews, Marketing, Usability, Suchmaschinen und Sicherheit. » shopbetreiber-blog.de

Praxis-Tipps, Muster, Checklisten und Urteile zu Abmahnung, AGB, eBay, Widerruf und Wettbewerbsrecht von den Trusted Shops Experten.


Lieferung an Firmenadresse, Zahlung über Geschäftskonto - Widerrufsrecht oder nicht? » shopbetreiber-blog.de

Das gesetzliche Widerrufsrecht im Onlinehandel gilt nur, wenn ein Verbraucher der Käufer ist. ist Bürgerlichen Gesetzbuch definiert. Demnach u.a. entscheidend,