Vassiliadis neuer Chef der Gewerkschaft IG BCE

Hannover (Reuters) - Michael Vassiliadis ist neuer Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE).

Die Delegierten des Gewerkschaftstages in Hannover wählten ihn am Dienstag mit 95,7 Prozent der gültigen Stimmen an die Spitze von Deutschlands drittgrößter Arbeitnehmerorganisation. Er folgt Hubertus Schmoldt (64), der nach 14 Jahren nicht erneut angetreten war. Der überreichte seinem Nachfolger das Steuerrad, das er 1995 von seinem Vorgänger Hermann Rappe erhalten hatte.

Der neue IG-BCE-Chef machte vor den 350 Delegierten deutlich, dass er den Kurs seines Vorgängers fortsetzen wolle, der auf Kooperation zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern statt auf Konflikt setzt. Darin unterscheidet sich die IG BCE seit Jahren von ihren DGB-Schwestern IG Metall und Verdi, deren Politik in Tarifrunden kämpferischer ist. Die Zusammenarbeit mit der IG Metall will Vassiliadis ausbauen.

Vassiliadis, der bei seiner Wahl keinen Gegenkandidaten hatte, gehört dem geschäftsführenden Vorstand seit 2004 an und war dort unter anderem für Jugend und Bildung zuständig. Schmoldt hatte ihn 1997 mit der Fusion von IG Chemie und IG Bergbau und Energie als Vorstandssekretär in die Gewerkschaftszentrale nach Hannover geholt. Mit 45 Jahren ist er der jüngste Vorsitzende einer DGB-Gewerkschaft.

Als Hauptaufgaben für die nächste Zeit bezeichnete Vassiliadis die Bewältigung der Wirtschaftskrise und den Stopp des Mitgliederschwunds. "Unsere Betriebsräte sind intensiv in die Begleitung von Kurzarbeit eingebunden, einigen Unternehmen geht es schon wieder besser. Andere gehen aber auch in Richtung Insolvenz", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Vorrang müsse der Erhalt von Arbeitsplätzen haben. Um Arbeitslosigkeit zu verhindern, müsse auch weiterhin Kurzarbeit eingesetzt werden. Die Debatte über ein von DGB-Chef Michael Sommer angeregtes Überbrückungsgeld vor dem Bezug von Hartz-IV-Leistungen nannte Vassiliadis verfrüht.

An die Adresse der künftigen Bundesregierung gerichtet warnte Vassiliadis davor, Mitwirkungsrechte der Arbeitnehmer einzuschränken. Diesbezüglich gebe es "irritierende und verwirrende Signale" aus Berlin. Auch in die laufenden Koalitionsverhandlungen von CDU und FDP will die IG BCE Forderungen einbringen. "Da geht es uns darum, dass die Industrie durch Innovations- und Investitionsförderung auch von der Bundesregierung unterstützt wird, wenn die Krise zu Ende ist." Bundeskanzlerin Angelika Merkel soll am Mittwoch zu den Gewerkschaftsdelegierten sprechen.

KAMPAGNE SOLL NEUE MITGLIEDER BRINGEN

Die IG BCE leidet wie andere Gewerkschaften auch unter stetigem Mitgliederschwund. Seit der Fusion schrumpfte die Mitgliederzahl von knapp einer Million auf 690.000. Die Gründe liegen im Personalabbau bei vielen Unternehmen und der Überalterung der Mitgliedschaft. Neue Mitglieder will Vassiliadis nun durch eine Werbeoffensive gewinnen. Dabei sollen auch leitende Angestellte und Akademiker geworben werden, die in allen Industriegewerkschaften kaum repräsentiert sind. "Wir haben eine Menge Kolleginnen und Kollegen, die uns bei Betriebsratswahlen hohe Zustimmungsraten geben, die aber nicht Mitglied bei uns sind. Diese Schere möchte ich gerne beseitigen", sagte Vassiliadis.

Größte Gewerkschaft in Deutschland ist die IG Metall mit zuletzt rund 2,3 Millionen Mitgliedern gefolgt von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit knapp 2,2 Millionen Mitgliedern.



Quelle: Reuters (13. Oktober 2009)

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Themen: Germany , Gewerkschaft , Western Europe , Europe , German General News , Domestic Politics , Central And Eastern Europe , German Equities , Business Activities , Labour; Employment; Unemployment , Insolvenz , Hannover , Fusion , Nachfolger , IG Metall , Chemicals , General News , Michael Sommer , Dgb , Management Issues/policy

Erschienen 13. Oktober 2009 bei http://www.reuters.com.

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