Urteil mit Therapiemöglichkeit
am 22.03.2006 von strafblog
Heute vor dem Schöffengericht. Angeklagt sind 5 Diebstähle im besonders schweren Fall und ein Raub. Gesamtschaden: ca. 20.000 €. Der Mandant ist seit vielen Jahren drogenabhängig, hat sich alle Venen kaputt gespritzt, leidet an Hepatitis C. Eine riesige Latte von Vorstrafen. Im Vorfeld wurde bereits eine Höchststrafenvereinbarung abgesprochen. 2 Jahre und 8 Monate im Falle eines Geständnisses. Der Mandant sitzt seit 5 Monaten in Haft. Er hat einen Therapieplatz gefunden und kann Anfang Juni eine Entwöhnungsbehandlung anfangen, vorausgesetzt, dass eine Zurückstellung der Strafvollstreckung gem. §§ 35, 36 BtmG erfolgt. Voraussetzung hierfür ist, dass die Reststrafe 2 Jahre nicht übersteigt. Das kommt genau hin. Ende Mai werden 8 Monate Haft verbüßt sein, so dass noch 2 Jahre verbleiben.
Die Richterin hat die Höchststrafenvereinbarung schriftlich vorbereitet und sogar die Strafzumessungserwägungen darin skizziert. Sie überreicht allen Beteiligten eine Ausfertigung. Das ist selten und durchaus vorbildlich. Selbst der Angeklagte hat es jetzt Schwarz auf Weiß. Das Geständnis, das ich im Rahmen einer Verteidigererklärung abgebe und das er dann nur noch bestätigen muss, fällt ihm leicht.
So sind am Ende alle zufrieden und wir haben uns einen aufwendigen Zeugenprozess erspart. Jetzt beleibt zu hoffen, dass der Mann seine Therapie auch durchhält und vielleicht die grundlagen für ein geregeeltes Leben schafft. Schau´n mer mal.
Autor: RA Rainer Pohlen
Kanzlei POHLEN + MEISTER
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