Urknall-Simulation auf den Weg gebracht

Genf (Reuters) - Auf der Suche nach dem Ursprung des Universums haben Wissenschaftler mit bislang nie dagewesener Energie subatomare Partikel ineinander rasen lassen.

Damit wurde in dem mit Spannung erwarteten Experiment am europäischen Kernforschungszentrum Cern nahe Genf die Simulation des Urknalls auf den Weg gebracht. "Das ist ein Schritt ins Unbekannte. Wir machen etwas, was noch kein Mensch zuvor getan hat", sagte Cern-Forschungsdirektor Sergio Bertolucci am Dienstag. Die Kollisionen sind der bisherige Höhepunkt des knapp sieben Milliarden Euro teuren und auf Jahre geplanten Experiments. Sie könnten ein riesiger Sprung für die Menschheit sein, prophezeite Generaldirektor Rolf Heuer. "Es zeigt, wie wir bei der Frage unseres Ursprungs das Wissen vorantreiben können", sagte er.

UNTERIRDISCHES MAMMUT-EXPERIMENT

Rund hundert Meter unter der Erde an der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich ließen die Physiker in dem gigantischen Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) die winzigen Partikel aufeinanderprallen. Hier sollen die Bedingungen geschaffen werden, wie sie Millisekunden nach dem Urknall herrschten. Letztendlich wollen die Wissenschaftler so herausfinden, wie das Universum vor 13,7 Milliarden Jahren entstand. "Es ist möglich, etwas völlig Neues zu entdecken, das extrem wichtig für die Menschheit sein könnte", sagte Bertolucci. So wollen die Physiker den Schleier von den verbliebenen Rätseln des Kosmos reißen. Unter anderem wollen sie erfahren, was hinter der Dunklen Materie steckt, die schätzungsweise ein Viertel des Universums ausmacht.

Das Experiment hatte sich am Dienstag zunächst um einige Stunden verzögert. Grund waren Probleme bei der Energieversorgung und an einem Sicherheitssystem.

DIE KOMPLEXESTE MASCHINE, DIE JE GEBAUT WURDE

Der Teilchenbeschleuniger mit einem Umfang von 27 Kilometer ist die größte und komplexeste Maschine, die je gebaut wurde. Bei voller Kraft könnten Billionen Protonen mit 99,99 Prozent der Lichtgeschwindigkeit durch den unterirdischen Ring rasen. Wissenschaftler aus aller Welt beobachten das Experiment und werden in den kommenden Monaten Unmengen an Daten auswerten. Über ein Computer-Netzwerk gelangen sie an die Informationen, die jedes Jahr rund 100.000 doppelbeschichtete DVDs füllen können.

Der Bau der unterirdischen Anlage hatte Befürchtungen hervorgerufen, dass Teilchenkollisionen winzige Schwarze Löcher produzieren könnten, die in der Folge wachsen und die Erde verschlingen könnten. Wissenschaftler haben das wiederholt zurückgewiesen.



Quelle: Reuters (30. März 2010)

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Themen: Germany , Cern , Erde , Genf , Western Europe , Europe , German General News , Domestic Politics , German Equities , Switzerland , United States OF America , Mensch , Russian Federation , Eastern Europe , Rasen , Simulation , France , Science; Technology , Technology

Erschienen 30. März 2010 bei http://www.reuters.com.

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