Ungarn: Zeit, die Handschuhe auszuziehen

Wie viel Schulden ein Staat aufnehmen soll, ist eine der zentralen politischen Fragen unserer Zeit. Man kann da sehr unterschiedlicher Meinung sein, wie man in den USA derzeit sieht. Man kann und sollte darüber hitzig diskutieren, sich nichts schenken, den anderen mit allen Mitteln des politischen Meinungsstreits attackieren, denn es geht um sehr viel.

Aber ihn ins Gefängnis werfen?

Ungarns Regierung, bekannt durch ihren sonnigen verfassungspolitischen Humor, will erreichen, dass die Politiker, die für die gestiegene Staatsverschuldung verantwortlich sind, nämlich die sozialistischen Ministerpräsidenten Medgyessy, Gyurcsány und Bajnai, bestraft werden. Nulla poena sine lege? Denen doch egal. Wird der Straftatbestand halt rückwirkend eingeführt. Staatsverschuldung, so wird der ungarische Regierungssprecher zitiert, sei ein “politisches Verbrechen”.

Politisches Verbrechen? Rückwirkendes politisches Strafrecht? Da kommt sogar die FAZ-Politikredaktion, die bisher Viktor Orbán noch jede Schurkerei als antikommunistisch und damit im Grunde edel verzieh, ins Nachdenken.

Wo liegt jetzt bitte noch mal genau der kategoriale Unterschied zwischen Orbán und den verschiedenen Diktatoren des 20. und 21. Jahrhunderts, mit denen er schon angeblich so ungerechterweise …

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Themen: Europa , Ungarn , Rechtsstaat , Schenken , Humor , Rückwirkungsverbot , Verfassungspolitik , Was Die Anderen Machen
Rechtsgebiet: Strafrecht

Erschienen 5. August 2011 auf http://verfassungsblog.de.

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