Unfallversicherung: Überdosis Heroin ist kein versicherbarer Unfall

OLG Karlsruhe - Pressemitteilung zum rechtskräftigen Urteil vom 03.03.2005 - 12 U 414/04 -: Die Klägerin hatte für ihren 1981 geborenen Sohn P. eine Unfallversicherung abgeschlossen. Die Versicherungssumme belief sich bei Unfalltod auf 10.000 DM für die bezugsberechtigte Klägerin. Die Klägerin begehrt nach dem Tod des versicherten Sohnes die Auszahlung der Versicherungssumme. P. war im Krankenhaus gestorben, nachdem er ca. 1 Woche zuvor in seiner Wohnung leblos aufgefunden und reanimiert worden war. Nach den ärztlichen Feststellungen war bei P. ein hypoxischer Hirnschaden nach Heroinintoxikation eingetreten, der zusammen mit anderen Komplikationen zu seinem Ableben führte. Die Klägerin behauptet, die Heroininjektion sei von einer dritten Person verabreicht worden. Die Ermittlungen haben allerdings keinen Beleg für ein Fremdverschulden ergeben. Sie ist der Auffassung, ein Unfall liege auch vor, wenn ihr Sohn sich das Heroin selbst gespritzt habe, da er seinen Tod nicht in Kauf genommen habe. Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Die Berufung zum Oberlandesgericht Karlsruhe blieb ohne Erfolg. Ein versicherter Unfall liegt nicht vor. Nach den maßgeblichen Versicherungsbedingungen (AUB 94) ist ein Unfall dann gegeben, wenn der Versicherte durch ein plötzlich von außen auf seinen Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet. Maßgeblich für die Auslegung ist das Verständnis eines durchschnittlichen Versicherungsnehmers ohne versicherungsrechtliche Spezialkenntnisse. Als wesentlich wird dieser bei Erfassen der Versicherungsbedingung die ungewollte Kollision mit der Außenwelt ansehen. Für die Folgen eines vollständig willensgesteuerten Eigenverhaltens des Versicherten wird auch der durchschnittliche Versicherungsnehmer keine Leistungen aus der …

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Heroin , Krankenhaus

Erschienen 1. April 2005 auf http://rafranke.blogspot.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Tod nach Schokoladenverzehr

Dies und das ... | 3. März 2012 — Die versehentliche bzw. unbewusste Aufnahme von Allergenen in einem Lebensmittel durch eine auf verschiedene Stoffe bekannterweise…

BGH: OLG Celle nicht so helle

rechtsanwalt-leisner.de | 1. September 2011 — In der privaten Unfallversicherungen gibt es für den Unfall eine schöne einfache Definition: Ein Unfall liegt vor, wenn die ver…

Unfal auf dem Bolzplatz

Blickpunkt Recht & Steuern | 29. Mai 2008 — Das Kicken auf einem Bolzplatz fällt in der Regel unter Schutz der Unfallversicherung. Mit dieser Begürundung hat der zuständig…

Unfalltod in Folge allergischer Reaktion

Rechtslupe | 5. März 2012 — Das versehentliche oder unbewusste Verzehren von Allergenen zusammen mit anderen Nahrungsstoffen stellt im Privatversicherungsr…

Versicherungsrecht: Kicken auf dem Bolzplatz fällt in der Regel unter den Schutz der Unfallversicherung

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 20. August 2008 — Knickt ein Versicherungsnehmer beim Fußballspielen auf einem Bolzplatz um, muss seine Unfallversicherung i.d.R. die Kosten für …

Unfallversicherung: Keine Leistung bei zunächst nicht erkannten Unfallfolgen

Linten & Partner Rechtsanwälte | 5. Juni 2011 — Das Landgericht Dortmund hat die Klage eines Versicherungsnehmers abgewiesen, weil die in den Versicherungsbedingungen festgele…

Verkehrsunfall Blutprobe Fußgänger Urteil: Fußgänger verliert privaten Unfallversicherungsschutz schon bei 1,63 Promille

Recht und Alltag | 13. März 2007 — In einem heute bekannt gewordenen Beschluss (Az.: 5 W 117/06) hat der 5. Zivilsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Köln entschied…

Unfallversicherung: Keine Leistung bei zunächst nicht erkannten Unfallfolgen

Linten & Partner Rechtsanwälte | 29. Mai 2011 — Das Landgericht Dortmund hat die Klage eines Versicherungsnehmers abgewiesen, weil die in den Versicherungsbedingungen festgele…

BGH: Prozentrechnen in der Unfallversicherung (“Da haben Sie dann zehnfache Progression!”)

rechtsanwalt-leisner.de | 21. April 2011 — Der Fall: Ein seit vielen Jahren Unfallversicherter erlitt im Januar 2005 einen Skiunfall, dabei verletzte er sich am rechten…

OLG Köln Promillegrenze Unfallversicherung: Keine Leistungen der privaten Unfallversicherung bei 1,63 Promille

JuracityBlog | 22. März 2007 — Das Oberlandesgericht Köln entschied in einem jetzt bekannt gewordenen Beschluss (Aktenzeichen 5 W 117/06), dass bei einer Ak…

- Muster -