Unesco entzieht Dresden wegen Brückbau den Titel Welterbe
(Reuters) - Dresden darf sich nicht länger mit dem
begehrten Titel "Welterbe" schmücken.
Die UN-Kulturorganisation entzog am Donnerstag wegen
des Baus der Waldschlösschenbrücke dem Dresdner Elbtal den erst 2004 verliehenen Titel, wie der der deutschen Unesco-Kommission, Dieter Offerhäußer, mitteilte.
Das Welterbekomitee der Unesco entschied in Sevilla, dass die vierspurige Autobrücke in Sichtweite der historischen Innenstadt die
Kulturlandschaft mit ihren Flussauen an einem sensiblen Punkt irreversibel zerschneide. Es ist erst das zweite Mal in der Geschichte
der Unesco, dass sie einer Welterbestätte diese Bezeichnung wieder streicht. 2007 hatte der wegen der Verkleinerung eines Naturschutzgebietes den Titel verloren.
Um den Bau der Waldschlösschenbrücke, mit dem im November 2007 begonnen wurde, gibt es in Politik und Öffentlichkeit heftige
Auseinandersetzungen. Eine breite Mehrheit der Bürger der Stadt stimmte allerdings in einem Entscheid für den Brückenbau und hält
jüngsten zufolge den Titel mehrheitlich für
entbehrlich.
Dresden hatte das Gütesiegel 2004 für rund 18 Flusskilometer erhalten. Die Elbe schlängelt sich durch breite Wiesen und die Dresdner
Innenstadt. Zu sehen sind vom Fluss aus unter anderem die Semper-Oper, die Frauenkirche und der Zwinger. Auf diese und andere
Gebäude, auf Kunstsammlungen, Gärten- und Landschaftsgestaltungen, die meist ihre Wurzeln im 18. und 19. Jahrhundert haben, beruhte
der Titel Weltkulturerbe.
AUCH FINANZIELLE KONSEQUENZEN
Die Aberkennung hat auch finanzielle Folgen: Dresden erhält kein Geld mehr aus einem 150 Millionen Euro schweren Förderprogramm für
deutsche Welterbestätten. Eine von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) einberufene Expertenkommission sieht wegen des
Titelentzugs keine Grundlage mehr für die Finanzhilfe. Weitere wirtschaftliche Folgen dürften eintreten, falls infolge des
Unesco-Beschlusses weniger Touristen nach Dresden kommen.
Quelle:
Reuters (25. Juni 2009)