Unaufgeforderte Telefonwerbung gegenüber Unternehmen ist nur zulässig, wenn ein konkretes sachliches Interesse des Angerufenen besteht

Das UWG (Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb) unterscheidet zwei Fälle von Werbeanrufen. (1.) Telefonwerbung gegenüber Verbrauchern ohne deren Einwilligung ist unzulässig, erforderlich ist eine tatsächlich erklärte Einwilligung. Nicht ganz so streng wie zum Schutze der Privatpersonen sind die Regeln für (2.) Werbeanrufe im geschäftlichen Bereich. Für einen Anruf bei einem Anbieter oder Nachfrager von Waren oder Dienstleistungen reicht dessen mutmaßliche Einwilligung. Eine solche liegt vor, wenn aufgrund konkreter Umstände ein sachliches Interesse des Angerufenen zu vermuten ist. Es muss anzunehmen sein, dass ein Bedürfnis des Umworbenen zum Erhalt gerade dieser Ware oder Dienstleistung besteht und aus diesem Interesse heraus der Wille zu telefonischer Bewerbung. Maßgeblich sind alle Umstände vor dem Anruf sowie Art und Inhalt der Werbung.

Ein Anhaltspunkt dafür, dass der Gewerbetreibende den Anruf erwarten oder ihm jedenfalls positiv gegenüberstehen werde, liegt vor, wenn die telefonische Werbemaßnahme in einem sachlichen Zusammenhang mit einer bereits bestehenden Geschäftsverbindung steht. Nach einer Entscheidung des BGH aus dem Jahre 2004 darf ein Telefonbuchverlag (u. a. „gelbe Seiten“) einen Anruf, mit dem die Daten eines kostenlosen Grund- bzw. Standardeintrag für einen Neudruck überprüft werden sollen, zur Werbung für eine entgeltpflichtige Erweiterung des Eintrags nutzen. Das Maß an Belästigung durch diese Telefonwerbung sei gering. Dass die Werbung aus Sicht des Anzurufenden ebenso gut oder sogar besser auf schriftlichem Wege hätte erfolgen können, sei irrelevant.

Demgegenüber betont der BGH in seiner eingangs benannten aktuellen Entscheidung, dass ein Suchmaschineneintrag nicht zur Annahme berechtige, das eingetragene Unternehmen sei mit einem Werbeanruf einverstanden. Nach den Ausführungen des BGH habe die Betreiberin der Suchmaschine zwar möglicherweise davon ausgehen dürfen, das Unternehmen sei mit einem Anruf zur Überprüfung der eingespeicherten Daten einverstanden. Das im selben Telefonat unterbreitete Angebot einer erweiterten entgeltlichen Eintragung in einer nicht besonders bekannten Suchmaschine sei jedoch unzumutbar belästigend. Angesichts der großen Zahl gleichartiger Suchmaschinen und der Verbreitung kostenloser Unternehmenseinträge in deren Verzeichnissen bestünde für den Gewerbetreibenden ansonsten die Gefahr, in seinem Geschäftsbetrieb durch eine Vielzahl ähnlicher Telefonanrufe gestört zu werden.

Beide Fälle stimmen darin überein, dass der geschäftliche Kontakt nur auf einer unentgeltlichen Grundeintragung in ein Verzeichnis beruht. Hier wie da wird eine „Datenpflege“ als Anknüpfungspunkt bzw. „Eintrittspforte“ zur Werbung für die entgeltliche Erweiterung des Grundeintrags genutzt. Die Fälle entscheiden sich allerdings durch den Inhalt der Werbung (entgeltlicher Eintrag in bundes…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Direktmarketing

Erschienen 19. November 2007 auf http://www.nennen.de/.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Bgh Suchmaschineneintrag: BGH: Suchmaschineneintrag - Ein unaufgeforderter Anruf bei einem Gewerbetreibenden zu Werbezwecken kann als eine wettbewerbswidrig…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 19. Dezember 2007 — 1. Ein unaufgeforderter Anruf bei einem Gewerbetreibenden zu Werbezwecken kann als eine wettbewerbswidrige unzumutbare Belästigung…

Bundesgerichtshof : Telefonwerbung gegenüber Gewerbetreibenden - Auch die unaufgeforderten Telefonanrufe zu Werbezwecken (hier: fü…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 20. September 2007 — BGH, Urteil vom 20.09.2007 – Az. I ZR 88/05 - Suchmaschineneintrag; Vorinstanzen: LG Essen, Urteil vom 24.11.2004 - Az. 44 O 32/04…

Bgh Urteil Telefonwerbung: BGH: Telefonwerbung für "Individualverträge" - Für die Beantwortung der Frage, ob bei einer Telefonwerbung gegenüber Gewerbetreibe…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 25. Mai 2007 — 1. Ein Klageantrag, der auf das Verbot gerichtet ist, unaufgefordert Telefonwerbung zu betreiben, ohne dass ein vorheriges Einvers…

OLG Hamm: Telefonwerbung gegenüber Gewerbetreibenden - Auch im Fall eines sachlichen Zusammenhangs mit einer bestehenden Geschäfts…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 27. März 2009 — 1. Eine unzumutbare Belästigung nach § 7 Abs. 2 Nr. 2, 2. Fall UWG liegt vor, wenn mit Telefonanrufen gegenüber Gewerbetreibenden …

BGH: Telefonwerbung nach Unternehmenswechsel - Wer nach einem Unternehmenswechsel die ihm aus seiner früheren Tätigkeit bekannten …

MEDIEN INTERNET und RECHT | 27. August 2010 — 1. Telefonanrufe gegenüber Unternehmen bzw. Gewerbetreibenden können grundsätzlich wettbewerbswidrig sein, weil sie zu belästigend…

BGH zu unaufgeforderten Werbeanrufen bei Gewerbetreibenden

RA-Blog | 21. September 2007 — Der BGH hatte gestern über die Wettbewerbswidrigkeit eines unaufgeforderten Werbeanrufs bei einem Gewerbetreibenden zu entscheiden…

Unaufgeforderte Anrufe: BGH: Unaufgeforderte Anrufe bei Gewerbetreibenden zu Werbezwecken unzulässig - Werbung für kostenpflichtigen Suchmaschineneintrag…

Beckmann und Norda Rechtsanwälte Bielefeld | 15. Dezember 2007 — Nunmehr liegt ein weiteres Urtel des BGH zur Telefonwerbung im Volltext vor. Wir hatten die dazugehörige Pressemitteilung des BGH…

Werbung per Telefonanruf

SCHINDLER BOLTZE Rechtsanwälte | 27. September 2006 — Werbung per Telefon ist ein sehr kostengünstiges und effektives Mittel des Direktmarketings. Allerdings sind nicht jede Werbe…

Werbeanrufe bei Gewerbetreibenden

Blickpunkt Recht & Steuern | 25. September 2007 — Der Bundesgerichtshofs hat den Schutz von Gewerbetreibenden und Selbständigen vor unerwünschten Werbeanrufen gestärkt und geurt…

Wettbewerbswidrigkeit von elektronischer Werbung oder der Mythos der mutmaßlichen Einwilligung – Teil 2 (Faxwerbung, elektronische…

SCHINDLER BOLTZE Rechtsanwälte | 25. April 2007 — Unverlangt übermittelte Faxwerbung ist in vielerlei Hinsicht ein Ärgernis. Zum einen entstehen hierdurch Mehrkosten (Toner, P…

Der Bundesgerichtshof