Die Causa Tauss
Rechtsanwalt Hänsch, Dresden | 23. Mai 2010 — Eine lesenswerte Abhandlung zum Fall Tauss und seiner medialen Behandlung (pdf, 240 KB). Nach Türck, Tauss und Benaissa – j…
Nach Türk, Tauss und Benaissa – jetzt Kachelmann: Den Staatsanwälten fehlen in Deutschland klare Regeln für ihre Informationspolitik. Die angeblich „objektivste Behörde der Welt“ betreibt immer öfter zu Lasten prominenter Verdächtiger eine aktive Öffentlichkeitsarbeit und bedient dafür das überschäumende Interesse der (Boulevard-) Medien mit feinstem Futter. Die plaudernden Sprecher betreiben dabei – bewußt oder unbewußt – schlicht “Litigation-PR” und werben um Akzeptanz der Öffentlichkeit für die Entscheidungen der Staatsanwaltschaft, z.B. für Ermittlungen und U-Haft. Eine Kategorie der Strafprozessordnung oder des Strafrechtes ist dieses jedoch nicht. Denn nicht die Medien, sondern allein das Gericht ist berufen, über den Fall zu entscheiden. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung. Der Schaden, den die presserechtlich privilegierte Behörde für den Betroffenen aber schon bis zu einer Anklageerhebung damit anrichtet, geht oft weit über das hinaus, was die Strafandrohung für seine vorgebliche Tat überhaupt umfasst. Auf der Strecke bleibt damit nicht nur die Unschuldsvermutung. Diese neue Art der „Öffentlichkeitsarbeit“ der Staatsanwaltschaften droht vielmehr immer mehr zu einer willkürlichen Waffe zu werden - gerade bei heiklen Verdächtigungen und gegen bekannte Namen. Ein unerträglicher Zustand für die Betroffenen, aber auch für den Rechtsstaat, dem dringend mit klaren Regeln für die Pressearbeit der Staatsanwaltschaften begegnet werden muß.
Die Staatsanwaltschaft hat den bekannten Fernsehmoderator Jörg Kachelmann am Wochenende in Untersuchungshaft genommen. Seine angeblich langjährige Freundin wirft ihm vor, dass er sie nach einem Beziehungsstreit vergewaltigt habe. Er sei danach abgereist, sie zur Polizei und zum Arzt gegangen. Die Ermittler in Mannheim glauben ihr und ein Richter auch: Laut Haftbefehl steht Kachelmann unter dem dringendem Tatverdacht der Vergewaltigung. Als Haftgrund wird Fluchtgefahr angegeben, da der Schweizer in Deutschland keinen festen Wohnsitz hat.
Ob eine U-Haft in seinem Falle wirklich nötig ist, ob tatsächlich eine Beziehungstat vorliegt oder möglicherweise (vielleicht aus enttäuschter Liebe?) lediglich eine Straftat vorgetäuscht wird, hat die Justiz möglichst schnell zu klären. Denn auch eine falsche Anzeige ist zumindest denkbar – gerade in brüchigen Beziehungen. Bis dahin ist insoweit (leider) alles normal und das Verhalten der Staatsanwaltschaft vermutlich auch nicht zu beanstanden. Bis am Montag BILD die Story ganz Deutschland erzählt…
Was danach kommt, wird inzwischen in Deutschland leider auch schon zur Normalität: Der Beschuldigte kann sich nicht äußern, da er in Haft sitzt und am wenigsten realisiert, was ihm gerade widerfährt. Seine Anwälte äußern sich, wenn auch recht zurückhaltend, da sie sich erst einmal einen Überblick verschaffen müssen. Aber sie plädieren entschieden für die Unschuldsvermutung. Was sollten Sie in dieser Situati…
» Vollständiger ArtikelErschienen 25. März 2010 auf http://www.moenikes.de/ITC.
Rechtsanwalt Hänsch, Dresden | 23. Mai 2010 — Eine lesenswerte Abhandlung zum Fall Tauss und seiner medialen Behandlung (pdf, 240 KB). Nach Türck, Tauss und Benaissa – j…
Kanzlei Heidrun Jakobs | 22. Juni 2010 — Schon wieder kommen begründete Vermutungen auf, dass die Staatsanwaltschaft in Baden-Württemberg, dieses Mal in Mannheim, wohl …
Strafprozesse und andere Ungereimtheiten | 18. Mai 2010 — Vor einiger Zeit war das Thema der Schwatzhaftigkeit der Pressesprecher von Ermittlungsbehörden und Strafgerichten bereits Grundla…
Höchststrafe? | 31. Mai 2011 — Der Kachelmann-Prozess endet (zunächst erstinstanzlich) mit einem Freispruch. Meine eigene Weissagung ist damit zwar im Eimer…
Reuters | 6. September 2010 — Mannheim (Reuters) - Vor dem Landgericht Mannheim beginnt am Montag (heute) der Prozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelma…
blat.antville: Simon's Blawg | 30. Juni 2010 — noch immer in den Mühlen der Justiz, findet derzeit ein ausgesprochen differenziertes Echo in der Presse: Ausfü…
Höchststrafe? | 23. Mai 2011 — In meinen eigenen Prozessen bin ich in der Regel ganz gut im Vorhersagen des Ergebnisses nach den Plädoyers. Man weiß ja meist,…
Presserecht aktuell | 4. August 2010 — Der bekannte Wettermoderator Jörg Kachelmann, welcher wegen des Verdachts einer Vergewaltigung vier Monate in Untersuchungshaft…
kLAWtext | 6. Oktober 2010 — Jörg Kachelmann, Jörg Tauss und die ehemalige No-Angels-Sängerin Nadia Benaissa haben es am eigenen Leibe erlebt (bzw. erleben es …
LawBlog | 15. Juni 2010 — Untersuchungshaft ja oder nein – im Fall Jörg Kachelmann scheint Zeit keine sonderliche Rolle zu spielen. Der Fernsehmoderator …
Jörg Kachelmann beteuert seine Unschuld, doch der Vorwurf wiegt schwer: Der Moderator soll seine langjährige Freundin vergewaltigt haben. Ihr Anwalt präzisierte nun die Anschuldigungen. Jetzt entscheidet der Haftrichter, ob der Wetterexperte freikommt.