Trauerfeier für getötete deutsche Soldaten in Kundus

Berlin/Chost (Reuters) - Mit einer Trauerfeier haben die deutschen Soldaten im nordafghanischen Kundus am Mittwoch Abschied von ihren beiden getöteten Kameraden genommen.

Der Kommandeur des Lagers, Oberst Rainer Buske, würdigte den Einsatz der Fallschirmjäger, die ein Selbstmordattentäter am Montag zusammen mit fünf afghanischen Kindern in den Tod gerissen hatte. "Gemeinsam mit ihren Fallschirmjägerkameraden haben sie Nacht für Nacht für Sicherheit gesorgt", sagte Buske laut einer Pressemitteilung der Bundeswehr in Kundus. Am Standort der Soldaten in Zweibrücken soll am Freitag eine weitere Trauerfeier stattfinden, an der auch Verteidigungsminister Franz Josef Jung teilnehmen wird.

Die beiden 22 und 25 Jahre alten Soldaten waren mit ihrer Einheit als Verstärkung nach Kundus geschickt worden, weil sich die Sicherheitslage dort zunehmend verschlechtert hatte. Am Montag sicherten sie eine großangelegte Suchaktion nach Waffenlagern ab, als sich der Attentäter auf einem Fahrrad neben ihnen in die Luft sprengte. Zwei weitere Soldaten wurden dabei verletzt. Bereits Ende August war ein Soldat ihres Bataillons in Zweibrücken nahe Kundus durch eine Sprengfalle getötet worden.

Die beiden Soldaten hätten die Gefahren ihres Einsatzes gekannt, sagte der deutsche Kommandeur der Nordregion, General Jürgen Weigt, bei der Trauerfeier. "Sie sind trotzdem gekommen", fügte er hinzu. Das, was die Soldaten in Afghanistan erlebten, sei perfider Terror, der auch nicht davor Halt mache, Kinder mit in den Tod zu reißen. Mit einem Ehrenspalier gaben Soldaten und zivile Mitarbeiter des Lagers den beiden Getöteten das letzte Geleit. Am Abend sollte das Flugzeug mit den Särgen an Bord in Zweibrücken eintreffen. Auch einer der beiden bei dem Anschlag verletzten Soldaten wurde mit der Maschine ausgeflogen.

Kanzlerin Angela Merkel sprach den Familien der Toten und Verletzten ihr Mitgefühl aus und betonte zugleich, dass die Bundesregierung an ihrer Strategie in Afghanistan festhalten werde. Am bisherigen Ansatz der Verzahnung von militärischer Absicherung und zivilem Wiederaufbau werde es keine Abstriche geben, sagte Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Scharf kritisierte er Äußerungen des Bundeswehrverbandes, der der Politik eine Mitschuld an der kritischen Lage in Afghanistan gegeben hatte. Die Äußerungen seien geschmacklos, der Verband müsse sein bedauern darüber ausdrücken, verlangte Steg.

Der stellvertretende Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, hatte kritisiert, dass die Soldaten nun für die Versäumnisse der Politik beim Wiederaufbau büßen müssten. Vor allem der schleppende Polizeiaufbau, für den jahrelang die Deutschen zuständig waren, sei ein Problem. Vergangene Woche hatte der Bundestag den Afghanistan-Einsatz verlängert und die Mandatsobergrenze um 1000 auf 4500 Soldaten erhöht. Seit Beginn des Einsatzes Anfang 2002 sind 30 deutsche Soldaten ums Leben gekommen.

Unterdessen wurden neun afghanische Soldaten nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kabul bei einem Luftangriff im Südosten des Landes getötet. Das US-Militär bestätigte lediglich, dass möglicherweise versehentlich einheimische Soldaten beschossen wurden. Opferzahlen nannte es nicht.



Quelle: Reuters (22. Oktober 2008)

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Themen: Berlin , Buske

Erschienen 22. Oktober 2008 bei http://www.reuters.com.

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