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Tony Blair gerät wegen Handel mit Adelstiteln zunehmend unter Druck

am 18.07.2006 von http://www.strafblog.de

Was eine Sozialistische Partei oder eine Arbeiterpartei ist, davon haben die meisten Menschen eine gewisse Vorstellung. Dazu gehört zumindest ein bisschen Klassenkampfvokabular, eine gewisse Nähe zu Gewerkschaften und anderen Arbeitnehmerorganisationen, eine antikapitalistische Grundhaltung (was nicht daran hindern muss, sich als Genosse der Bosse zu fühlen, wenn´s der Sache dient) und natürlich eine gewisse innere Rührung, wenn revolutionäre Lieder wie die Internationale oder Brüder, zur Sonne, zur Freiheit gesungen werden. Aber dass Sozialisten dazu prädestiniert wären, mit Adelstiteln zu handeln und vermögende Kreditgeber ihrer Arbeiterpartei ins House of Lords, also ins britische Oberhaus, zu hieven, das ist zumindest auf den ersten Blick nicht naheliegend. Genau das wird dem britischen Premier und New Labour-Star Tony Blair aber vorgeworfen, und Scotland Yard ermittelt recht ergiebig, weil der Titelhandel nämlich aufgrund eines Gesetzes von 1925 im Vereinigten Königreich verboten ist. Damals hatte nämlich der konservative Premier David Lloyd George seine Kasse und die seiner Partei dadurch aufgebessert, dass er die freigebigen Geldgeber zur Erhebung in den Adelsstand vorschlug, was dann durch königlichen Akt erfolgte.

New Labour soll sich in den letzten Jahren verstärkt durch private Kredite reicher Kaufleute und Industriebosse finanziert haben, was den Vorteil hatte, dass diese Art der Parteienfinanzierung anders als Spenden nicht veröffentlicht werden musste. Die Geldgeber wiederum sollen von ihren günstigen Darlehen dadurch profitiert haben, dass Tony Blair der Königin vorschlug, sie als Sir, Lord oder Baronet in den Adelsstand zu erheben, um dann gegebenenfalls auch noch Mitglied im britischen Oberhaus zu werden, in dem sich nur Adelige tummeln dürfen. Darum heißt es ja auch House of Lords.

Das alles und noch einiges mehr zum Thema schreibt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG in ihrer Online-Ausgabe zu einem Straftatbestand, den wir Deutschland so nicht kennen, der dem guten Tony Blair aber das Genick brechen könnte. Es lohnt, sich den Beitrag näher anzuschauen, finde ich.

Autor: RA Rainer Pohlen

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