Tiefensee setzt auf Wasserstoff-Autos zum Klimaschutz
am 26.06.2008 von Reuters | Inlandsnachrichten
Berlin (Reuters) - Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee setzt auf deutlich mehr Wasserstoff-Autos, um die Abhängigkeit vom immer teureren Öl zu reduzieren.
Auch für den Klimaschutz sei dies neben anderen Technologien der richtige Weg, sagte Tiefensee am Donnerstag bei der Vorstellung einer Studie zur Zukunft des Wasserstoffs in Berlin. Es geht nicht um drei Cent mehr oder weniger für den Liter Benzin, sondern um drei Liter weniger Verbrauch, sagte er. Nur mit spritsparenden Autos durchkreuzen wir die Preistreiberei der Scheichs und Konzerne.
Während bislang nur teure Demonstrationsmodelle mit Wasserstoffantrieb rollen, könnten der Studie zufolge 2050 bis zu 70 Prozent der Pkw und Kleintransporter mit einem solchen Antrieb unterwegs sein. Der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid könne damit auf 20 Gramm je Kilometer sinken, sagte Tiefensee. Derzeit hat die Industrie Probleme, das EU-Ziel von 120 Gramm im Durchschnitt zu erreichen.
Der Ausbau eines flächendeckenden Tankstellennetzes sei bezahlbar, sagte Tiefensee. Die Kosten lägen bei 20 Milliarden Euro, deutlich weniger als die Entwicklungskosten etwa des Eurofighter-Kampfjets. Ob sich der Staat daran beteiligen würde, ließ er offen.
Wasserstoff sei ab einem Ölpreis von 130 Dollar je Barrel konkurrenzfähig, sagte ein Sprecher der von Industrie, Wissenschaft und Bund getragenen Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Donnerstag kostete ein Barrel 134 Dollar und die Opec sagte einen Anstieg auf 170 Dollar im Sommer voraus. Bislang gilt Wasserstoff als zu teuer. Er kann entweder in Verbrennungsmotoren eingesetzt werden oder über eine Brennstoffzelle einen Elektromotor antreiben.
Ein Ausbau der Wasserstofftechnik sei auch im Interesse der Stromwirtschaft, sagte der Chef der Deutschen Energieagentur, Stephan Kohler. Die geplanten Windenergieparks in der Nordsee würden in einigen Jahren soviel Strom erzeugen, dass es bei viel Wind und wenig Stromnachfrage zu Überkapazitäten komme. Diese könnte gut in Wasserstoff gespeichert werden. Allerdings gehen die Experten davon aus, dass bis 2050 fast die Hälfte der Energie zur Wasserstoffherstellung aus Kohle erzeugt werden müsste, die großenteils importiert werden muss.
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