Thomas Kutschaty gibt Rechtskundeunterricht - warum eigentlich nicht, Kollege Vetter?

Kollege Vetter berichtet (hier: http://www.lawblog.de/index.php/archives/2011/11/28/der-minister-kommt/ ), dass der Justizminister von NRW, Thomas Kutschaty, sich an einem Gymnasium in Brilon als Rechtskundelehrer versucht hat. Zu den Einzelheiten bitte dort nachlesen.

Das etwas abfällige aber immerhin noch Augenzwinkern des Kollegen Vetter verstehe ich allerdings nicht so ganz. Gut, den Schülern innerhalb weniger Stunden die Grundzüge des Rechts zu vermitteln mag ein sehr gewagter Ansatz sein - zugegeben. Es hat immerhin einen Grund, dass die Regelstudienzeit für Jura in NRW neun Semester beträgt und man frühestens nach dem siebten Semester zum Examen zugelassen wird, selbst wenn man seine Scheine nach vier oder fünf Semestern komplett hat (es gibt solche Überflieger wirklich! Ob man diese Supertheoretiker nachher in der Praxis brauchen kann, ist eine andere Frage, die aber auch eher weniger von der Semesterzahl abhängt).

Ich selber habe drei Jahre lang jeweils im ersten Halbjahr Rechtskundeunterricht sowohl an einem Gymnasium als auch an einer Realschule gegeben. Was mich dazu getrieben hat? Ganz bestimmt nicht die Vergütung, die ich dafür vom Landgericht bekommen habe (42,00 EUR plus Fahrtkosten für die Doppelstunde dürften da wenig motivierend sein aber das wusste ich vorher und da kommt es auch nicht immer drauf an).

Nein, es hat ganz einfach einen riesen Spaß gemacht. Immerhin waren da eine ganze Reihe von jungen Leuten, die sich den Unterricht am Nachmittag mehr oder minder freiwillig (so mancher hat sich in erster Linie Bonuspunkte erhofft, die er bitter nötig hatte und wieder andere waren da, weil sie aus einer dieser Juristendynastien stammten, die ohnehin einen anderen Studienwunsch, als Jura niemals akzeptieren würden - aber die waren insgesamt in der Minderheit!) gegeben haben und auch entsprechend motiviert und interessiert waren.

Die geistige Grundhaltung ging da je nach bildungstechnischem familiären Hintergrund von naiv über ein erschreckend mangelndes Unrechtsbewusstsein bis hin zu erschreckend spießig - aber bitte! Dieser Unterricht findet in der zehnten Klasse statt; da sind die Jungs und Mädels 15 bis 16 Jahre alt! Was soll man erwarten, wir waren doch in dem Alter auch nicht anders drauf! Aber eines hatten sie alle gemeinsam: wenn man sie mal ein wenig in ihrer eigenen Denkwelt (soweit mir das als alter Sack gelungen sein sollte) auf die Probleme angesprochen hat, waren sie doch bereit, nachzudenken und auch die eigene Einstellung zu den Dingen zu überprüfen! Die jungen Leute leben auch in einer Welt, wo der Rechtsbruch mitunter technisch so einfach und im eigenen Umfeld auch normal ist, dass die sich da gar keine Gedanken drum machen!

Immer wieder vorkommendes Thema war natürlich die Liedersaugerei im Internet; gut nennen wir das Kind beim Namen: massenhafte Urheberrechtsverletzungen! Da kann man jetzt natürlich hochwissenschaft…

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Themen: Jura , Landgericht , Minder , Gymnasium , Realschule

Erschienen 28. November 2011 auf http://stuwal.blog.de.

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