Therapiefähige Strafe im Heroinprozess

1 Jahr und 9 Monate Freiheitsstrafe lautete das Urteil in dem von mir heute morgen in einem Blogbeitrag angesprochenen Verfahren wegen unerlaubten Besitzes von Heroin. Das Wirkstoffgutachten des Landeskriminalamtes war dem Gericht dann doch noch am Freitag Nachmittag per Fax übermittelt worden, wie ich zu Beginn der Sitzung erfuhr. Knapp 20 % Wirkstoffgehalt waren festgestellt worden, was einer Gesamtwirkstoffmenge von ca. 7,4 Gramm HHC entspricht, dem fast Fünffachen einer nicht geringen Menge. Mehr als 20 Jahre Heroinabhängigkeit hat der vielfach vorbestrafte Mandant auf dem Buckel, der aktuell noch zweifach unter Bewährung steht. Die ausgeworfene Strafe gibt dem Mandanten die Chance auf eine Therapie gemäß den §§ 35, 36 BtmG und die hat er auch bitter nötig. Für ihn wäre das die erste Therapie, wir haben alles dafür Erforderliche bereits angeleiert und warten jetzt nur noch auf die Kostenzusage. Wenn Alles gut geht, kann der Mann die Therapie schon im kommenden Januar antreten und nach deren erfolgreichem Abschluss die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt bekommmen. "Therapie statt Strafe" lautet die Zauberformel und manchmal klappt das ja auch. Dem Mandanten wäre es zu gönnen, dass er von der verfluchten Abhängigkeit endlich loskommt. Das hat auch das Gericht so gesehen und wird die Zustimmung zur Zurückstellung der Strafvollstreckung auch ins schriftliche Urteil aufnehmen. In Anbetracht der Gesamtumstände sicher ein ausgesprochen moderates Urteil, zumal eine Verurteilung wegen "Handeltreibens" in Anbetracht der recht erheblichen Menge von 40 Gramm Heroin, die teilweise in Bubbles verpackt waren, nicht fernliegend gewesen wäre. Autor: RA Rainer Pohlen Kanzlei POHLEN + MEISTER

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Themen: Heroin

Erschienen 18. Dezember 2006 auf http://www.strafblog.de.

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