Teure Energie treibt Inflationsrate auf 15-Jahres-Hoch
am 16.07.2008 von http://www.reuters.com
Berlin (Reuters) - Explodierende Energie- und Lebensmittelpreise haben die Inflation im Juni so kräftig angeheizt wie seit fast 15 Jahren nicht mehr.
Die Verbraucherpreise stiegen um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Das ist die höchste Teuerungsrate seit Dezember 1993 mit 4,2 Prozent. Experten sagen wegen der anhaltend hohen Ölpreise einen weiteren Anstieg voraus. Der Höhepunkt kommt erst noch, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen zu Reuters. Deutschland weist trotz der rasanten Entwicklung die geringste Inflation aller 15 Euro-Länder aus.
Im gesamtem Euro-Raum erreichte sie mit 4,0 Prozent den höchsten Wert seit Beginn der Erhebung 1997. Die Teuerungsrate ist damit doppelt so hoch wie von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebt. Um den Preisauftrieb zu dämpfen, hatte sie ihren Leitzins im Juli zum ersten Mal seit 13 Monaten angehoben. Slowenien wies mit 6,8 Prozent die höchste Rate aus, gefolgt von Belgien (5,8), Luxemburg (5,3) und Zypern (5,2).
NACHLASSENDER PREISDRUCK ERST AM JAHRESENDE ERWARTET
Ähnlich hohe Werte sind in Deutschland nicht zu befürchten, sagte der Ifo-Experte Carstensen. Da müsste der Ölpreis schon enorme Sprünge machen, sagte der Ökonom des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo). Im Sommer könne die Teuerungsrate aber auf etwa 3,5 Prozent steigen. Erst am Jahresende seien wieder Werte von unter drei Prozent in Sicht.
2009 dürfte der Preisdruck dann weiter nachlassen, erwartet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die hohen Nahrungsmittelpreise bieten den Produzenten einen Anreiz, ihre Produktion auszudehnen, was langfristig die Preise drücken sollte, sagte DIW-Konjunkturchef Christian Dreger zu Reuters. Die Konjunkturabkühlung in den Industrie- und wichtigen Schwellenländern werde zudem die Energienachfrage nicht mehr so stark steigen lassen wie bisher und den Ölpreis dämpfen.
Die Deutschen mussten vor allem für Energie und Nahrungsmittel mehr bezahlen, wofür sie etwa ein Fünftel ihres Budgets ausgeben. Diese beiden Bereiche erklären weit mehr als die Hälfte der gesamtem Preissteigerung gegenüber dem Vorjahr, schrieben die Statistiker. Für leichtes Heizöl musste 61,9 Prozent mehr gezahlt werden als im Juni 2007. Kraftstoffe verteuerten sich um 15 Prozent, davon Diesel mit 30 Prozent besonders deutlich. An vielen Tankstellen mussten für einen Liter Sprit zeitweise Rekordpreise von mehr als 1,55 Euro hingeblättert werden, nachdem der Ölpreis erstmals die Marke von 140 Dollar überschritten hatte. Strom kostete 7,2 Prozent mehr.
Nahrungsmittel wurden um 7,6 Prozent teurer. Für Quark wurde 31,1 Prozent mehr verlangt, für Schnittkäse 27 Prozent. Margarine verteuerte sich um 23,3 Prozent, Butter um 8,1 Prozent, Nudeln um 27,9 Prozent und Brötchen um 8,8 Prozent. Fisch und Fischwaren kosteten 1,2 Prozent mehr.
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