Terror-Verdächtige distanzieren sich von Anschlagsplan
Reuters | 19. August 2009 — Düsseldorf (Reuters) - Im Prozess gegen die Terror-Verdächtigen der sogenannten Sauerland-Gruppe haben sich zwei der vier Angek…
Düsseldorf (Reuters) - Im Prozess gegen die Terrorverdächtigen der sogenannten "Sauerland-Gruppe" hat einer der Angeklagten Vorwürfe gegen einen mutmaßlichen Kontaktmann des türkischen Geheimdienstes erhoben.
Ohne die Hilfe von Mevlüt K. hätte er die Zünder für die geplanten Anschläge in Deutschland nicht besorgen können, erklärte Atilla Selek in den am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verlesenen Aussageprotokollen. K. habe bei der Besorgung der Zünder geholfen. Er wisse, dass K. mit dem türkischen Geheimdienst zusammengearbeitet habe. In Istanbul habe er sich sehr sicher gefühlt und nie die Telefonnummer gewechselt.
K., der als möglicher fünfter Mann der "Sauerland-Gruppe" gilt, wird von der Bundesanwaltschaft per Haftbefehl gesucht. Selek berichtete in seiner Aussage weiter, dass K. von den Anschlagsplänen gewusst habe. Trotzdem habe K. ihn bei einem Besuch in der Türkei unterstützt und ihm bei der Suche nach Zündern geholfen. K. habe dies nicht für Allah, sondern aus eigenem Interesse getan. K. mache "ganz gefährliche Sachen mit Geheimdiensten". K. gilt nach bisherigen Aussagen in dem Verfahren als Mittelsmann, der den Angeklagten bei der Beschaffung der Zünder assistierte. Selek sagte, nach seinen Informationen halte sich K. weiter in Istanbul auf.
Die "Sauerland-Gruppe" hatte nach Aussagen ihrer Mitglieder vor der Festnahme im Herbst 2007 eine Serie von Anschlägen in Deutschland geplant. Unter anderem sollte damit der anstehende Bundestagsentscheid über die Verlängerung des Bundeswehr- Einsatzes in Afghanistan beeinflusst werden. Vor dem Oberlandesgericht haben alle vier Angeklagten bislang ausführlich über ihren Weg in den islamischen Extremismus berichtet. Sie sagten zudem über das Training in Ausbildungslagern im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet und die Vorbereitung der Anschläge aus. Die Gruppe wollte mit Autobomben möglichst viele US-Soldaten töten. Selek betonte aber am Donnerstag, er habe erst im Nachhinein erfahren, wie verheerend die Attentate ausfallen sollten.
Erschienen 20. August 2009 bei http://www.reuters.com.
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