Drogenbanden schießen auf Polizei und Zivilisten - 6 Tote in Rio de Janeiro
strafblog | 28. Dezember 2006 — Dass Rio de Janeiro zu den Städten mit besonders hoher Kriminalitätsrate gehört, ist bekannt. Schießereien zwischen kriminellen Ba…
faz.net berichtet heute über die Hintergründe der gewaltsamen Auseinandersetzungen in Sao Paulo/Brasilien, wo die Polizei am Mittwoch weitere 7 Menschen erschossen hat und inzwischen mehr als 130 Tote zu vermelden sind. Begonnen hatte das ganze mit gezielten Angriffen krimineller Banden auf Polizeistationen, welche von Meutereien in vielen Haftanstalten begleitet wurden. Hauptorganisator der Offensive soll das das Erste Hauptstadtkommando (PCC) gewesen sein, eine Drogenbande, die auch Partei der Kriminalität genannt wird, weil ihre Mitglieder nach der Art von Parteien oder Gewerkschaften organisiert sind. Unangefochtener Anführer ist der 38 Jahre alte Marcos Willians Herbas Camacho, genannt Marcola, der nicht nur wegen seines Wagemuts, sondern auch wegen seiner Intelligenz gefürchtet ist. Camacho gilt als einer der führenden Drogenbosse Südamerikas und führt seine Geschäfte dem Bericht zufolge vom Gefängnis aus, in dem er zahlreiche Privilegien genießt. Im Justizvollzug gilt er als Unberührbarer. Auf seinen Befehl hin sollen seine Leute rund 250 Ziele gleichzeitig angegriffen und dabei zahlreiche Menschen, darunter auch viele Polizisten, getötet haben. Zahlreiche Busse wurden in Brand gesteckt und zerstört. Die Koordination soll über Handys laufen, die auch den inhaftierten Bossen und Mitgliedern zur Verfügung stehen. Camacho, der außerordentlich belesen sein soll und der seinen Aktionen gerne einen sozialpolitischen Anstrich gebe, scheint sich trotz oder gerade wegen seiner Inhaftierung zu einem Machtfaktor im Staat entwickelt zu haben, vor dem viele Politiker kapitulieren. So hat er unter anderem durchgesetzt, dass in den Gefängnissen Brasilien rechtzeitig vor der Fußballweltmeisterschaft Fernsehgeräte installiert wurden, eine "marginale Forderung", wie faz.net meint. Es soll Verhandlungen über eine Einstellung der Gewalttätigkeiten mit "Marcola" gegeben haben, zu denen seine Anwältin mit einem Polizeiflugzeug eingeflogen wurde. Politische Rivalitäten zwischen der brasilianischen Bundesregierung der der hierzu in Opposition stehenden Provinzregierung von Sao Paulo sowie die allgegenwärtige Korruption hätten zu einer Machtverschiebung zugunsten der immer besser organisierten Drogenbanden geführt, meint das Blatt. Autor: RA Rainer Pohlen Kanzlei POHLEN + MEISTER
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