Teilerfolg für Greenpeace vor Gericht – Ministerium muss über Informationsanspruch neu entscheiden

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz muss über einen Antrag von Greenpeace neu entscheiden, Informationen über die Empfänger von EU-Agrarsubventionen herauszugeben. Dies entschied das Verwaltungsgericht Köln mit einem heute verkündeten Urteil.

Greenpeace hatte im Juni 2006 beim Ministerium beantragt, sämtliche deutschen Empfänger von EU-Agrarsubventionen ohne Namensnennung bekannt zu geben, die 20 größten Subventionsempfänger aus jedem Bundesland auch namentlich. Das Ministerium lehnte den Antrag im Juli 2006 ab: Nach dem einschlägigen Informationsfreiheitsgesetz dürften die Namen der betreffenden Personen oder Unternehmen ohne deren Einwilligung nicht mitgeteilt werden. Außerdem sei das Ministerium für die Subventionsvergabe gar nicht zuständig, sondern sammele nur die Daten aus den einzelnen Bundesländern zu den gewährten Subventionen und leite diese an die EU nach Brüssel weiter. Greenpeace zog vor das Verwaltungsgericht Köln, das wegen des Sitzes des Ministeriums in Bonn für den Rechtsstreit zuständig ist. Vor Gericht erzielte die Organisation einen Teilerfolg: Auf das Informationsbegehren sei das Umweltinformationsgesetz anwendbar, weil Agrarsubventionen sich auf die Umwelt auswirken könnten, entschieden die Richter und hoben den Ablehnungsbescheid des Ministeriums auf. Die Auskunft über die Subventionszahlungen ohne namentliche Zuordnung sei zu erteilen. Das Ministerium sei aber nicht in jedem Fall verpflichtet, die 20 größten Subventionsempfänger je Bundesland namentlich zu benennen. Vielmehr müsse nach dem Umweltinformationsgesetz abgewogen werden zwischen dem öffentlichen Interesse an der Bekanntgabe der Namen und dem gleichfalls geschützten Interesse der Subventionsempfänger, die entsprechenden Informationen vertraulich zu behandeln. Da das Ministerium von einer falschen Rechtsgrundlage – dem insoweit restriktiveren Informationsfreiheitsgesetz – ausgegangen sei, habe es diese rechtlich erforderliche Abwägung noch nicht durchgeführt und müsse dies nun nac…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Greenpeace , Bundesland , Ministerium , Verwaltungsgericht Köln

Erschienen 24. Oktober 2008 auf http://www.it-recht-kanzlei.de/.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Abenteuer Greenpeace 4

Handakte WebLAWg | 28. September 2005 — Abenteuer Greenpeace von Burghard Bartos erzählt die Geschichte der Umweltorganisation Greenpeace. Vom ersten Gespräch am Küche…

Abenteuer Greenpeace 8

Handakte WebLAWg | 25. Oktober 2005 — Abenteuer Greenpeace von Burghard Bartos erzählt die Geschichte der Umweltorganisation Greenpeace. Vom ersten Gespräch am Küche…

Abenteuer Greenpeace 2

Handakte WebLAWg | 13. September 2005 — Abenteuer Greenpeace von Burghard Bartos erzählt die Geschichte der Umweltorganisation Greenpeace. Vom ersten Gespräch am Küche…

Abenteuer Greenpeace 3

Handakte WebLAWg | 21. September 2005 — Abenteuer Greenpeace von Burghard Bartos erzählt die Geschichte der Umweltorganisation Greenpeace. Vom ersten Gespräch am Küche…

Abenteuer Greenpeace 7

Handakte WebLAWg | 22. Oktober 2005 — Abenteuer Greenpeace von Burghard Bartos erzählt die Geschichte der Umweltorganisation Greenpeace. Vom ersten Gespräch am Küche…

Abenteuer Greenpeace 5

Handakte WebLAWg | 4. Oktober 2005 — Abenteuer Greenpeace von Burghard Bartos erzählt die Geschichte der Umweltorganisation Greenpeace. Vom ersten Gespräch am Küche…

Abenteuer Greenpeace 9

Handakte WebLAWg | 3. November 2005 — Abenteuer Greenpeace von Burghard Bartos erzählt die Geschichte der Umweltorganisation Greenpeace. Vom ersten Gespräch am Küche…

Greenpeace: Warnungen der BNA vor Stromausfällen sind ungeprüft und durchschaubar

LEXEGESE | 31. Mai 2011 — Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat heute bei der Bundesnetzagentur (BNA) einen Antrag zur Herausgabe von Netzdaten na…

Abenteuer Greenpeace

Handakte WebLAWg | 30. August 2005 — Eine Wohnküche in Vancouver 1969. Eine kleine Gruppe von Kriegsgegnern und Umweltschützern will die US-Atombombentests auf Amch…

Greenpeace siegt im «Gen-Milch»-Streit gegen Müller-Milch

Jurabilis | 28. Oktober 2004 — Die Umweltschutz-Organisation «Greenpeace» darf Produkte des Theo-Müller-Konzerns mit dem Titel «Gen-Milch» belegen. Dies geht aus…