TAZ: Gericht will Unschuldigen zum Mörder machen
am 03.08.2006 von http://www.strafblog.de
Die taz berichtet in ihrer Online-Ausgabe vom 1.8. über einen Strafprozess vor dem Lübecker Landgericht, in dem die Schwurgerichtskammer trotz außerordentlich zweifelhafter Beweislage auf eine Verurteilung des angeklagten Gefängnisausbrechers Johannes Mohns wegen eines Mordes zusteuere, den dieser kaum begangen haben könne. Selbst die Staatsanwaltschaft habe inzwischen so massive Zweifel an der Täterschaft, dass sie - ebenso wie die Verteidigung - die Aufhebung des Haftbefehls beantragt habe. Dies habe die Kammer aber abgelehnt. Es geht um einen Überfall vom 19. Dezember 1988 auf einen Heros-Geldtransporter in Lübeck, der von 2 nicht maskierten Männern verübt wurde, von denen einer einen Augenzeugen, den damals 49 Jahre alten Peter Komenda, erschoss. Johannes Mohns, der einige Zeit vorher wegen eines ähnlichen Überfalls verurteilt worden war und in Kiel in Haft gesessen hatte, war kurz zuvor aus der Haftanstalt ausgebrochen und befand sich auf der Flucht. Er wurde einige Zeit später in Mönchengladbach verhaftet. Mehrere Augenzeugen der Lübecker Tat erkannten ihn trotz einer gewissen Ähnlichkeit mit einem Phantombild nicht wieder. Das Verfahren gegen ihn wurde 1989 eingestellt.
14 Jahre später, im August 2003, meldete sich ein gewisser Günter Rosenthal bei der Polizei und behauptete, Angaben zu der Lübecker Tat machen zu können. Allerdings nur gegen Bezahlung. Die Polizei ließ sich auf den Deal ein und Rosenthal erzählte diverse Geschichten vom Hörensagen, die er im Knast erfahren haben will, und nannte diverse mögliche Tatbeteiligte, darunter aber nicht Johannes Mohns. Anscheinend wurden die (bezahlten) Vernehmungen gezielt auf Johannes Mohns gelenkt, auf den Rosenthal sich dann schließlich als Täter festlegte. Gegen Mohns, der in anderer Sache kurz vor der Haftentlassung stand, wurde Haftbefehl erlassen.
Bei der richterlichen Vernehmung Rosenthals unterließ man es prozessrechtswidrig, der Verteidigung die Anwesenheit zu ermöglichen. Das begründet Zweifel an der Verwertbarkeit der richterlichen Vernehmung. Rosenthal selbst kann im Prozess nicht mehr vernommen werden, weil er wenige Wochen vor Prozessbeginn bei einem Fahrradunfall starb. Die Polizei hat Vernehmungsprotokolle von Rosenthal unterschlagen, was zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen die Polizeibeamten führte. Es kam zu einigen Verhören, deren Protokolle mit einem Stempel versehen wurden: Hintergrundinformation - nicht in die Ermittlungsakte aufnehmen - Vernichtung nach Auswertung.
Sie hat Rosenthal Zahlungen zukommen lassen, um ihn bei Stange zu halten, die nach Ansicht der für Mohns tätigen renommierten Strafverteidiger Santen und Maeffert durch nichts gedeckt waren.
Selbst die Staatsanwaltschaft hält die protokollierten Aussagen des Kronzeugen Rosenthal für nicht verwertbar. Ohne diese Aussagen gebe es aber keinerlei Beweismittel. Das scheint das Gericht nicht zu interessieren.
Eigentlich können sie ihn nicht verurteilen, meint Verteidiger Johannes Santen, aber nach unserem Eindruck sind die Berufsrichter fest entschlossen.
Am 7.8. wird der Prozess fortgesetzt.
Autor: RA Rainer Pohlen
Kanzlei POHLEN + MEISTER
Briefeschreiber gefasst - Hochwaldmörder nicht ermittelt
LAWgical / Nach dem Massen-DNS-Test im nördlichen Saarland hat die Polizei den Verfasser der Briefe, die in den vergangenen Jahren bei verschiedenen Polizeidienststellen eingegangen sind, gefasst. Es handelt sich dabei um einen 34jährigen Mann, der sein …
BGH: Eintrittspflicht einer Rechtsschutzversicherung bei Kündigungsandrohung des Arbeitgebers
anwalt-kiel.com / Der Bundesgerichtshof - IV ZR 305/07 - hat die Eintrittspflicht eines Rechtsschutzversicherers bei vom Versicherungsnehmer behaupteten Rechtsverstoß durch Kündigungsandrohung des Arbeitgebers bestätigt. I. Der Kläger verlangt von seinem Rechtssc…
Social Community und Datenschutz
LAWgical / In zahlreichen Informationsveranstaltungen sensibilisieren unter anderem der saarländische Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, die Landesmedienanstalt Saar und das Landeskriminalamt des Saarlandes sowie die Europäische…
20% auf alles - außer Tiernahrung
Rechtslupe / Der Bundesgerichtshof hat gestern über die Zulässigkeit einer mit dem Slogan “20% auf alles” angekündigten Rabattaktion zu entscheiden. Freilich nicht über diese Rabattaktion allgemein, sondern über einen Sonderfall von vier Produkte…
Richterlicher Sarkasmus
kanzlei-hoenig.info / Die Mandantin ist echt angeschlagen von der Untersuchungshaft. Fluchtgefahr nehmen die Staatsanwaltschaft und das Gericht an. Sie hat alle Hoffnungen in die mündliche Haftprüfung gesetzt. Und sie kämpft um ihre Freiheit mit allen ihr zur Verfügu…
Klaus-Peter Tiedtke neuer Direktor des Beschaffungsamtes
Vergabeblog / Der Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, Dr. Bernhard Beus, hat Klaus-Peter Tiedtke in sein neues Amt eingeführt. Im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn wurde der neue Direktor des Beschaffungsamtes des Bundesminis…
Ambitionierte Kollegen (m/w) in München?
Rechthaber / Sie wollen als Anwalt/Anwältin in München Ihr eigener Chef sein und trotzdem die Vorteile eines Teams nutzen? Dann werden Sie doch unser Kollege in München. Wir sind vier Partner mit den rechtlichen Schwerpunkten Wirtschaft, Medizin, P…
Fall Susanne K. (II)
Handakte WebLAWg / Was die 46-jährige Quandt-Erbin zum Fall Sgarbi zu sagen hatte, sagte sie bei einer Vernehmung, deren Wortlaut eigentlich unter Verschluss bleiben sollte. Wie die FR berichtete, veröffentlichte die italienische Wochenzeitschrift L’Espresso di…
Existenzgründungszuschuss für selbständige Tätigkeit in Luxemburg
Rechtslupe / Arbeitnehmer können einen Existenzgründungszuschuss auch dann beanspruchen, wenn sie als Grenzpendler unter Beibehaltung ihres deutschen Wohnsitzes eine selbständige Tätigkeit im Ausland aufnehmen. Dies hat jetzt das Bundessozialgericht im Falle…
Unicef erhält Erbschein
Handakte WebLAWg / Das Kinderhilfswerk Unicef erhält nach Informationen der Frankfurter Rundschau vom LG Konstanz noch in dieser Woche den Erbschein für den Nachlass des 2002 verstorbenen Kunstsammlers Gustav Rau. Das erfuhr die FR aus Justizkreisen. Falls die Schwei…
Geldstrafe für Fußball-Profi Hutwelker: Training statt Gerichtstermin
schreibmaschine / Fußball-Profi Karsten Hutwelker (37) ist am Mittwoch vom Amtsgericht Würzburg wegen „Gebrauch eines unrichtigen Gesundheitszeugnisses“ zu zwei Monatsgehältern (60 Tagessätze von 90 Euro) Geldstrafe verurteilt wor…
Vertragsstrafen bei Complaince: ein Musterschreiben
beck-blog / Vor kurzem erreichte mich ein Schreiben eines deutschen Elektrounternehmens ,offensichtlich weil ein irgendein Mitarbeiter dieser Gesellschaft bei uns einmal bei einer Fortbildungsveranstaltung des Instituts als Zuhörer dabei war. Das an die Allgem…
