Tausende Bankdaten verkauft - Staatsanwalt ermittelt

Berlin (Reuters) - In Deutschland sind nach Erkenntnissen von Verbraucher- und Datenschützern in großem Stil persönliche Daten einschließlich der Kontonummern gehandelt worden.

Der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH) wurde nach eigenen Angaben eine CD mit Namen, Geburtstagen, Adressen, Telefonnummern und Kontoverbindungen von 17.000 Bürgern zugespielt. Diese sei offenbar von einer Firma aus Nordrhein-Westfalen an andere Unternehmen verkauft worden, teilten die Verbraucherzentrale und das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) am Dienstag mit.

Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert schaltete per Strafanzeige die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ein. Nach Einschätzung der Datenschützer stammen die Daten ursprünglich von der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL). Darauf deuten laut Weichert die Art und Struktur der Daten hin.

Der Verkauf von Datensätzen mit Kontonummern sei eine neue Qualität des Missbrauchs, sagte Weichert. Die illegal gehandelten Daten könnten in Zusammenhang mit jüngsten Betrugsfällen stehen. Als Lottogesellschaften getarnte Firmen hätten in den vergangenen Tagen Tausende Verbraucher angerufen und in mehreren Fällen ohne Einzugserlaubnis Geld von deren Bankkonten abgebucht. Es seien erste Fälle bekanntgeworden, in denen ohne Einwilligung Geld abgebucht worden sei, berichtete die Verbraucherzentrale.

Die SKL erklärte, das Unternehmen habe nie Daten von Kunden an Dritte weitergegeben. Die SKL habe sich mit der Verbraucherzentrale in Verbindung gesetzt, um den Missbrauch aufklären zu helfen, sagte SKL-Direktor Gerhard Rombach. Die SKL verkauft ihre Lose allerdings nicht selbst, sondern über staatlich beauftragte Lotterieeinnehmer. Bis Ende 2007 wurden für den Verkauf auch Call Center eingesetzt. Dies ist seit Inkrafttreten eines neuen Glückspielstaatsvertrages zum 1. Januar 2008 untersagt.

An wie viele Abnehmer die Daten-CD verkauft wurde, lasse sich zurzeit noch nicht nachvollziehen, sagte ein Mitarbeiter des Datenschutzzentrums.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar forderte ein Gesetz zur Informationspflicht von Unternehmen. Wenn Kundendaten außer Kontrolle geraten seien, müssten Unternehmen verpflichtet werden, ihre Kunden zu informieren, sagte Schaar dem "Tagesspiegel" (Mittwochausgabe) laut Vorabbericht. Außerdem müssten die Banken stärker ihrer Gewährleistungspflicht nachkommen. "Sie müssen überprüfen, ob eine Abbuchung überhaupt berechtigt ist", sagte Schaar.



Quelle: Reuters (12. August 2008)

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Themen: Berlin , Schleswig Holstein , Bankdaten Verkaufen

Erschienen 12. August 2008 bei http://www.reuters.com.

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