Tarifschluss im NRW-Einzelhandel mit Pilotcharakter
Reuters | 11. Juni 2009 — Berlin (Reuters) - Im nordrhein-westfälischen Einzelhandel haben sich die Tarifparteien auf einen Abschluss mit bundesweiter …
Berlin (Reuters) - Im nordrhein-westfälischen Einzelhandel haben sich die Tarifparteien auf einen Abschluss mit bundesweiter Vorbildfunktion geeinigt.
Arbeitgeber und Gewerkschaften verständigten sich in der Nacht zum Donnerstag auf insgesamt 3,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die rund 440.000 Beschäftigten. Die Erhöhung erfolgt in zwei Schritten und der Tarifvertrag läuft über 24 Monate. Für 2010 sieht er eine Einmalzahlung von 150 Euro vor. Verdi feierte es als Erfolg, dass sich die Arbeitgeber nicht mit ihrer Forderung nach betrieblichen Öffnungsklauseln durchsetzen konnten. Beide Seiten gehen davon aus, dass die Einigung Pilotcharakter für die Verhandlungen in den anderen Bundesländern hat.
Ab September erhalten alle Beschäftigten und Auszubildenden zwei Prozent mehr Lohn und Gehalt, ab September 2010 steigen die Tarife um weitere 1,5 Prozent. Eine weitere Einmalzahlung für 2011 über 150 Euro können die Arbeitnehmer als Altersvorsorge oder Warengutschein erhalten. Verdi hatte ursprünglich 6,5 Prozent mehr Gehalt oder mindestens 135 Euro mehr für die Beschäftigten gefordert. Die Gewerkschaft habe aber ihr Hauptziel erreicht, dass die Reallöhne spürbar steigen, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane. Verhandlungsführerin Lieselotte Hinz sprach von einem Abschluss in schwierigen Zeiten, der von den Beschäftigten getragen werde, aber keine "Jubelschreie" auslöse. Knackpunkt der Gespräche seien bis zum Schluss die von den Arbeitgebern angestrebten Öffnungsklauseln gewesen, mit denen Gehaltserhöhungen verschoben oder gestrichen werden könnten. "Wir hätten es daran scheitern lassen", betonte Hinz.
Die Arbeitgeberverbände HDE und BAG erklärten, sie seien mit dem Abschluss an ihre Grenzen gegangen. "Gemessen an anderen Tarifverträgen haben wir eine vertretbare Einigung", sagte HDE-Tarifexperte Heribert Jöris zu Reuters. Die Lage der ohnehin kriselnden Branche werde wegen des erwarteten Anstiegs der Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten schwieriger werden. Der HDE erwartet für das laufende Jahr ein Umsatzminus von bis zu einem Prozent.
Mit dem Abschluss dürfte der bundesweite Tarifkonflikt deutlich schneller zu Ende gehen als zuletzt. Die vorige Runde zog sich über rund 14 Monate, diesmal wurde in NRW nur rund sieben Wochen verhandelt. "Wir gehen davon aus, dass dieses Verhandlungsergebnis die Basis für die Abschlüsse im Einzelhandel der anderen Bundesländer ist", sagte Mönig-Raane.
Erschienen 11. Juni 2009 bei http://www.reuters.com.
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