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Sündenböcke

am 06.04.2007 von http://heimspielcolonia.wordpress.com

Wie erwartet, hat die sächsische Polizei die gestrigen Übergriffe nun in einer eigenen Stellungnahme durch Verschweigen verharmlost und stattdessen einzelnen Fans den schwarzen Peter für die Auseinandersetzungen zugeschoben. Aus Geißböcken werden Sündenböcke:
Aue
Im ausverkauften Erzgebirgsstadion sahen 16.000 erwartungsfrohe Zuschauer am Donnerstagabend die Partie Erzgebirge Aue gegen 1. FC Köln. Den Rheinländern gelang es diesmal, unter dem im Erzgebirge geborenen Trainer Daum, den Spieß herumzudrehen und sich für die 1 : 0 Heimniederlage aus dem Herbst 2006 zu revanchieren. Die Domstädter gewannen diesmal ihr Auswärtsspiel im Erzgebirge mit dem gleichen Resultat.
Leider waren zu diesem Spiel nicht nur Fußballbegeisterte aus der Rheinmetropole angereist. Unter den 1.100 Fans der “Geißböcke” waren auch einige, die bereits auf der Anreise unliebsam auffielen. So zum Beispiel in Zwickau, wo bei einem Zwischenstopp zweier Busse mehrere der Insassen durch Pöbeleien sowie Sachbeschädigungen auffielen. So wurde bei einem Pkw die Heckscheibe eingeschlagen. Auf Grund von Personenbeschreibungen konnte die Polizei bei der Ankunft dieser Busse im Auer Stadion von drei Personen die Identität feststellen. Die gefertigten Unterlagen werden bei den weiteren Ermittlungen einbezogen.
Einem Kölner wurden bei der Einlasskontrolle zwei Beutel mit Rauchpulver abgenommen. Hier erfolgte Anzeige, genau wie gegen einen weiteren, der Polizeibeamte auf unflätige Art und Weise beleidigt hatte. Trotz der intensiven Kontrollen des Ordnungsdienstes war es einigen Fans gelungen, geringfügige Mengen Rauchpulver ins Stadion zu bringen, das im Gästeblock mehrfach “portionsweise” gezündet wurde. Zwei junge Männer wurden als tatverdächtige Personen identifiziert und noch vor der Halbzeit aus dem Gästeblock entfernt. Beide kamen in Gewahrsam und wurden angezeigt.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit kam es dann im Bereich der Blocktrennung zwischen den beiden Fanlagern zu verbalen Attacken und zum Bewerfen mit Getränkebechern. Die vor Ort handelnden Beamten der Bereitschaftspolizei drängten die “Streithähne” zurück, verhindernden ein direktes Aufeinandertreffen und beruhigten die Lage.
Unschöne Szenen spielten sich dann nach dem Spiel im Bereich der bereitgestellten Busse für die Gästefans ab. Zirka 150 Personen ließen ihren “Negativ-Emotionen” freien Lauf und randalierten. Das Zünden von Pyrotechnik war verbunden mit körperlichen Attacken gegen die Polizeikräfte. Ja sogar Steine flogen, wodurch sieben Bereitschaftspolizisten leichte Blessuren erlitten und vier Dienstfahrzeuge beschädigt wurden. Zur Bereinigung der Situation mussten der Schlagstock sowie Pfefferspray eingesetzt werden. Eine Anzeige wegen Widerstand sowie neun Anzeigen wegen Körperverletzung gegen die Randalierer folgten.
Das Stadionpersonal stellte bei der Abschlusskontrolle fest, dass im Bereich der Gästetoilette erheblicher Sachschaden angerichtet worden war. Auch zu diesem Sachverhalt nahm die Polizei Anzeige und Ermittlungen auf.
Weshalb die behaupteten 150 Randalierer nach dem 1:0 Sieg des 1. FC Köln überhaupt “Negativ-Emotionen” verspürt haben sollen, bleibt offen. Möglicherweise hatte das Auftreten und das Verhalten der Polizisten in der zweiten Halbzeit ja etwas damit zu tun.
Und weshalb es dann auch notwendig war, nicht nur die einzelenen Straftäter unter den Fans, die es sicherlich gab und deren Existenz nicht verschwiegen werden soll, dingfest zu machen, sondern unbeteiligte Fans bis zur Bewegungslosigkeit niederzuknüppeln, auch wenn sie bereits am Boden lagen, Verletzten die medizinische Erstversorgung zu verweigern, Frauen und Kinder mit Pfefferspray zu jagen und selbiges auch noch in die offenen und zur Abfahrt bereitstehenden Fan-Busse aus Köln zu sprühen, erklärt der Bericht der Polizei nicht.
Nach Justitia Colonia vorliegenden Informationen hat sich ein Verantwortlicher der Kölner Polizei gegenüber der Zeitung “Express” mittlerweile dahingehend geäußert, daß das Vorgehen der Beamten in Aue “noch rechtmäßig”, aber übertrieben gewesen sei. Diese Behauptung ist juristisch völliger Unsinn: Die Polizei ist bei der Ausübung ihrer Aufgaben an Recht und Gesetz gebunden. Dazu gehört auch die Beachtung des in der Verfassung verankerten Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes, an den die Staatsgewalt unmittelbar gebunden ist. Denn nur so kann das Gewaltmonopol des Staates eine Rechtfertigung finden. Eine polizeiliche Maßnahme, die gegen das Übermaßverbot verstößt und unverhältnismäßig ist, kann daher niemals “noch rechtmäßig” sein.
Daß die beteiligten Beamten unverhältnismäßig gehandelt haben, dürfte bei Zugrundelegung der bekannten Augenzeugenberichte kaum zu bestreiten sein.
Ein Fanvertreter stellte deshalb zu der Pressemitteilung der Polizei im Forum des Vereins unmißverständlich fest: “Man kann nur sagen, dass die Sache solange friedlich blieb, bis die Polizei anfing zu knüppeln. Auf Nachfrage bei einem Beamten bekam man mal wieder nur Sachen zu hören wie ‘Ihr seid doch nur hierher gekommen, um Randale zu machen’, und ‘Wir machen doch nur unseren Job!’”
“Nur den Job gemacht” - das ist in diesem Lande leider immer noch eine beliebte Rechtfertigung für persönliches Fehlverhalten.

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