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Studie: Starker Vertrauensverlust in die Demokratie

am 29.06.2008 von

Berlin (Reuters) - Immer mehr Menschen verlieren einer Studie zufolge ihr Vertrauen in die Demokratie und erwägen deshalb, nicht zur Bundestagswahl im kommenden Jahr zu gehen.

Jeder dritte Bundesbürger glaube nicht mehr, dass Demokratie Probleme löst, in Ostdeutschland gar 53 Prozent, zitierte der Tagesspiegel am Sonntag aus einer Erhebung für die Friedrich-Ebert-Stiftung. Vier von zehn Befragten zweifelten daran, dass die Demokratie überhaupt noch funktioniere. Als Konsequenz könne sich jeder Zweite vorstellen, bei der Bundestagswahl 2009 keine Stimme abzugeben.

Die SPD-nahe Stiftung hatte mit der Studie des Münchner Instituts Polis/Sinus Aufschluss über die Gründe für die zunehmende Wahlenthaltung gesucht. Ich fürchte, rund ein Drittel der Menschen hat sich schon von der Demokratie verabschiedet, sagte Frank Karl von der Friedrich-Ebert-Stiftung der Zeitung. Zwar sei diese Haltung besonders bei Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern ausgeprägt. Die repräsentative Studie unter 2500 Bundesbürgern habe aber gezeigt, dass der Glaube an das politische System insgesamt dramatisch zurückgegangen sei. Das deutet darauf hin, dass viele Menschen fürchten, demnächst abzurutschen und sie machen das System dafür verantwortlich, sagte der Wissenschaftler.

Nur noch 62 Prozent der Bürger fühlten sich gerecht behandelt, während jeder Vierte (26 Prozent) sich ausdrücklich beklage und sich ungerecht behandelt fühle, zitierte das Blatt aus der Studie. Dadurch leide auch der Glaube an eine bessere Zukunft. Nur 31 Prozent gingen noch optimistisch in die kommenden Jahre. Der Rest fürchte, finanziell und gesellschaftlich abzurutschen.

Unter diesem Vertrauensverlust leiden nach Angaben Karls besonders die Volksparteien. Die müssen Loyalität zum System organisieren und erreichen mindestens ein Drittel der Bevölkerung nicht mehr, analysierte der Forscher.

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