Studie: Regierung unterschätzt Armutsrisiko im Alter

Berlin (Reuters) - Das Armutsrisiko im Alter wird einem Gutachten der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge von der Regierung zu gering eingeschätzt.

"Das Armutsrisiko künftiger Rentner wird unterschätzt, der Alterssicherung fehlt ein klares Ziel", kritisierten die Autoren Barbara Riedmüller und Michaela Willert von der Freien Universität Berlin am Dienstag. Arbeitslosigkeit und geringfügige Beschäftigung führten zur Senkung der Renten. Dies werde in den Prognosen - wie etwa im Alterssicherungsbericht der Regierung - aber nicht berücksichtigt.

"Die Berechnungsbasis bilden sehr lange Erwerbszeiten von 45 Jahren, die keine Arbeitslosigkeit beinhalten, eine 100-prozentige Abdeckung durch Riester-Vorsorge sowie eine weitere zusätzliche Privatrente", bemängeln die Wissenschaftler. Solche Annahmen seien zu optimistisch und gingen an vielen realen Erwerbsbiographien vorbei. Wer schlecht verdiene, sei in der Regel auch häufiger von Arbeitslosigkeit bedroht.

Die Berechnungen der Bundesregierung gehen der Studie zufolge davon aus, dass Durchschnittsverdiener, die im Jahr 2030 in Rente gehen, noch 72,6 Prozent ihres früheren Nettoeinkommens als Rente ausgezahlt bekommen.

Nach Ansicht der Autoren führt die Förderung von Niedrigeinkommen in Verbindung mit dem stärkeren Beitragsbezug der Rentenzahlung zu neuen Armutsrisiken im Alter. Niedrige Renteneinkommen würden langfristig zudem besonders stark durch Steuern und Abgaben belastet. Von der staatlichen Förderung der Zusatzvorsorge profitierten vor allem Bezieher stabiler, hoher Einkommen. Die soziale Kluft in künftigen Rentnergenerationen vergrößere sich dadurch. Die Autoren werfen der Bundesregierung vor, aufgrund ihrer zu positiven Annahmen nicht die erforderlichen Schlüsse zu ziehen, um künftige Altersarmut und steigende soziale Ungleichheit zu verhindern.



Quelle: Reuters (6. Januar 2009)

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Themen: Regierung

Erschienen 6. Januar 2009 bei http://www.reuters.com.

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