Studie: Frauen verdienen trotz höherer Abschlüsse weniger

Berlin (Reuters) - Schon auf der untersten Sprosse der Karriereleiter erfahren junge Frauen häufig finanzielle Diskriminierung.

Nach einer am Donnerstag vorgestellten Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung verdienen sie in den ersten drei Jahren ihrer Berufstätigkeit trotz höherer Bildungsabschlüsse durchschnittlich 18,7 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Die Studie zeige, dass die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen nicht automatisch mit den nachwachsenden Generationen geglättet würden, sagte der Betreuer der Untersuchung vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Stiftung, Reinhard Bispinck. "Die Ergebnisse verweisen vielmehr auf das Fortbestehen geschlechtsspezifischer Lohndiskriminierung."

Wie die Auswertung von 16.000 Datensätzen einer Online-Befragung ergab, verdienen Berufsanfängerinnen im ersten Jahr durchschnittlich 2197 Euro brutto im Monat, Männer hingegen knapp 500 Euro mehr. Nach zehn Jahren Berufserfahrung ist der sogenannte "Gender Pay Gap" auf 730 Euro gestiegen. "Die Schere geht auseinander", sagte Bispinck. Lediglich die Frauen in zwei von 33 untersuchten Berufen, die Mathematikerinnen und Verkäuferinnen, schafften es, die Differenz in einen leichten Vorsprung umzukehren. In Ostdeutschland nehme der Einkommensunterschied dagegen ab, zudem sei er generell in Westdeutschland höher. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland laut Bispinck im oberen Drittel der Diskriminierung. Den geringsten Unterschied gebe es in Belgien mit 9,4 Prozent, den höchsten im Spanien mit 30,4. Die Einkommensungleichheit bei deutschen Frauen und Männern aller Altersgruppen liegt nach einem EU-Vergleich bei 23 Prozent.

Für die eklatante Ungleichheit schon in den ersten Berufsjahren gebe es zwar sachliche Gründe wie etwa die Berufswahl, unterschiedliche Qualifikation und Karriereunterbrechungen wegen Kindererziehung. 40 Prozent des Abstandes können laut Bispinck damit allerdings nicht erklärt werden, was auf eine Diskriminierung schließen lasse. Das 2008 konstatierte Ziel der Bundesregierung, die durchschnittliche Einkommensungleichheit bis 2015 auf zehn Prozent zu reduzieren, werde nach Meinung der Stiftungs-Expertin Astrid Ziegler wohl nicht erreicht.



Quelle: Reuters (1. Oktober 2009)

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Themen: Deutschland , Berlin , Germany , Western Europe , Europe , German General News , Domestic Politics , Central And Eastern Europe , Belgien , Education , Spanien , Unterschied

Erschienen 1. Oktober 2009 bei http://www.reuters.com.

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