Studie: Aufschwung an meisten Haushalten vorbeigegangen
Reuters | 28. August 2008 — Berlin (Reuters) - Die meisten Deutschen haben einer Studie zufolge vom Aufschwung der vergangenen Jahre nicht profitiert. Di…
Berlin (Reuters) - Die meisten Deutschen haben einer Studie zufolge vom Aufschwung der vergangenen Jahre nicht profitiert.
"Es ist nicht nur ein mehrheitliches Gefühl der Bevölkerung, dass sie vom Aufschwung nicht profitiert. Es ist Realität", schrieben die Wissenschaftler des Instituts für Makroökonomie (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. Obwohl die Arbeitslosigkeit sank und die Löhne zuletzt kräftig stiegen, ging demnach die gesamte preisbereinigte Nettolohnsumme aller Beschäftigten um 0,3 Prozent zurück. Verglichen damit hätten die Unternehmen ihre Gewinne um 10,4 Prozent gesteigert.
Dazu komme, dass auch der Staat weniger Rente, Arbeitslosengeld oder andere Sozialleistungen zahlte. Preisbereinigt sanken diese Transfers um sieben Prozent. Insgesamt habe damit das reale verfügbare Einkommen stagniert, während es im vorhergegangenen Aufschwung zur Jahrtausendwende noch um sieben Prozent gewachsen sei.
Auch der Arbeitsmarkt habe sich nicht so gut entwickelt wie vermutet, schrieben die Forscher weiter: So habe verglichen mit der Jahrtausendwende die Gesamtzahl der Beschäftigten etwas weniger stark zugenommen, wenngleich mehr Menschen einen ungeförderten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz fanden. Zwar sei auch die Arbeitslosigkeit deutlich stärker gesunken als zuvor. Dabei spiele aber ein demografischer Effekt eine wichtige Rolle: "Das Angebot an Arbeitskräften geht derzeit zurück, während es im vergangenen Aufschwung noch zunahm."
Gewinner der guten Konjunktur seien die Unternehmen. Nominal steigerten die Unternehmen ihre Bruttogewinne nach Berechnungen der Experten sogar um 25 Prozent. Dies sei die Kehrseite der geringen Lohnsteigerungen: "Letztlich waren die Unternehmen bei guter internationaler und nationaler Konjunktur nicht gezwungen, die geringen Arbeitskostensteigerungen vollständig in den Preisen weiterzugeben und diese - bei Einrechnung der Produktivitätsfortschritte - entsprechend zu senken", schrieben die Wissenschaftler.
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