Polizeigewerkschaft empört über Love-Parade-Veranstalter
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Duisburg (Reuters) - Drei Tage nach der Katastrophe bei der Love-Parade in Duisburg ist ein offener Streit zwischen der Polizei und dem Veranstalter ausgebrochen.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft warf am Dienstag Organisator Rainer Schaller vor, von seiner Verantwortung abzulenken und deshalb ein Fehlverhalten bei der Polizei zu suchen. Schaller hatte Medienberichten zufolge der Polizei vorgehalten, durch die Öffnung von Schleusen Massen von Besuchern unkontrolliert in den Tunnel vor dem Veranstaltungsgelände geschleust zu haben.
Am Samstag gibt es in Duisburg eine zentrale Trauerfeier für die Opfer, an der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen will, die dafür ihren Urlaub unterbricht. Bei dem Unglück waren 20 Menschen getötet und über 500 verletzt worden. Der Fußballzweitligist MSV Duisburg kündigte ein Benefizspiel für die Hinterbliebenen der Opfer mit dem FC Schalke 04 an.
SCHALLER: POLIZEI LIESS UNKONTROLLIERTEN BESUCHERSTROM ZU
"Die Einsatzleitung hat die Anweisung gegeben, alle Schleusen vor dem westlichen Tunneleingang an der Düsseldorfer Straße zu öffnen", sagte Schaller Medienberichten zufolge. Dadurch sei der Hauptstrom der Besucher unkontrolliert in den Tunnel gelangt. Warum die Polizei diese Anweisung gegeben habe, wisse er nicht. "Für den Fall der Überfüllung sollten die Schleusen geschlossen werden." Durch den Tunnel waren die Besucher zum Veranstaltungsgelände gezwängt worden. Am Ausgang der Röhre war es zu der Massenpanik gekommen.
Rettungskräfte und Polizei hätten hervorragend gearbeitet, entgegnete Gewerkschaftschef Rainer Wendt. "Ohne deren Arbeit gäbe es bestimmt noch mehr Opfer", sagte er Reuters-TV. In einer Mitteilung der Polizeigewerkschaft hieß es darüber hinaus, Schaller habe 500.000 Teilnehmer angemeldet, eine Genehmigung der Stadt für 250.000 Teilnehmer erhalten und bereits mittags öffentlich über eine Million Teilnehmer gefeiert. Die Innenpolitiker der Parteien müssten nun ihren Urlaub unterbrechen und sich der Aufklärung annehmen. Die Verantwortlichen dürften sich nicht mehr hinter den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft verstecken.
Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt gegen Unbekannt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung. In der Kritik stehen nicht nur die Polizei, sondern auch Schaller und die Stadt Duisburg. Auf einer Pressekonferenz am Sonntag hatten Polizei, Stadt und Veranstalter das Sicherheitskonzept verteidigt, Detailfragen trotz hartnäckiger Nachfragen nicht beantwortet und auf Schuldzuweisungen noch verzichtet.
Der Duisburger Bürgermeister Adolf Sauerland (CDU) hat Forderungen nach einem sofortigen Rücktritt zurückgewiesen. Der Politiker war am Sonntagabend bei Besuch der Unglücksstelle ausgebuht worden. Er steht inzwischen unter Polizeischutz. Sauerland wird vorgeworfen, Warnungen in den Wind geschlagen zu haben, dass die Ruhrgebietstadt den Massenandrang der Raver nicht bewältigen könne. "Mir sind keine Warnungen bekannt", sagte Sauerland in einem von "RP Online" veröffentlichten Interview. Es gebe bei der Planung solcher Veranstaltungen immer kritische Stimmen, die auch sehr ernst genommen würden. Es sei gewissenhaft geprüft worden, ob die Veranstaltung durchgeführt werden könne.
BUNDESPRÄSIDENT WULFF KOMMT ZUR TRAUERFEIER
Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) will die Organisation derartiger Veranstaltungen nicht mehr den Kommunen überlassen. Es sei klar erkennbar, dass das Sicherheitskonzept in Duisburg nicht gut gewesen sei, sagte sie in der ARD. Die Verantwortung bei solch großen Veranstaltungen solle auf das Innenministerium übertragen werden, da ein größerer Erfahrungsschatz benötigt werde.
Für die Trauerfeier am Samstag in Duisburg, bei der unter anderem neben Merkel auch Bundespräsident Christian Wulff erwartet wird, laufen derweil die Planungen auf Hochtouren. Es werden auch zahlreiche Gäste aus dem Ausland erwartet. Unter den Todesopfern sind acht Raver aus dem Ausland.
Erschienen 27. Juli 2010 bei http://www.reuters.com.
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