Streiks am Bau nach Tarifeinigung abgewendet

Frankfurt (Reuters) - Arbeitgeber und Gewerkschaft haben den Tarifkonflikt in der Baubranche nach harten Schlichtungsverhandlungen beigelegt und damit Streiks abgewendet.

Im Westen sollen die Beschäftigten in zwei Schritten insgesamt 4,6 Prozent mehr Lohn erhalten, wie die Tarifparteien am Samstag in Frankfurt mitteilten. Im Osten sollen die Löhne um den gleichen Cent-Betrag wie im Westen erhöht werden, wodurch sich die Kluft zwischen Ost und West-Löhnen ein Stück weit verringert. Der neue Tarifvertrag hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Die Schlichtungskommission unter Vorsitz des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers Wolfgang Clement hatte sich nach 18-stündigen Verhandlungen einstimmig auf einen Schiedsspruch verständigt. Die Einigung ist damit für beide Seiten bindend.

"Das ist ein tragfähiger Kompromiss in wirtschaftlich schwieriger Zeit", sagte IG BAU-Chef Klaus Wiesehügel. Abstriche machen musste die Gewerkschaft bei ihren Forderungen nach einer deutlichen Annäherung der Mindestlöhne in Ost und West. Die Arbeitgeber konnten die von ihnen geforderte neue Lohnstruktur für die rund 700.000 Bau-Beschäftigten nicht durchsetzen. "Ein guter Kompromiss ist einer, der beiden Seiten weh tut", sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Frank Dupre.

LOHNERHÖHUNG IN ZWEI SCHRITTEN

Im Westen erhalten die Bau-Beschäftigten nun zum 1. Juni 2,3 Prozent mehr Lohn, in einem zweiten Schritt zum 1. April 2010 noch einmal 2,3 Prozent. Die Anhebung der Ostentgelte um den gleichen Cent-Betrag hat zur Folge, dass dort für einzelne Tarifgruppen die prozentualen Steigerungen höher ausfallen. Im April und Mai 2009 gibt es Einmalzahlungen von jeweils 60 Euro.

Die IG Bau hatte vor zwölf Tagen nach drei erfolglosen Gesprächsrunden die Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt und entschieden, Clement als Vermittler anzurufen. Sie war mit der höchsten Lohnforderung seit 14 Jahren in die Verhandlungen gegangen und wollte ein Plus von sechs Prozent durchsetzen. Die Arbeitgeber forderten vor allem neue Tarifstrukturen. Clement hat bereits mehrmals bei Bautarifverhandlungen vermittelt.

Der Schlichterspruch sieht außerdem vor, dass die Mindestlöhne bis 2011 festgelegt werden. "Einen einheitlichen Mindestlohn in Ost und West haben wir nicht erreicht", sagte Clement. Im Osten soll der Mindestlohn für ungelernte Bauarbeiter in drei Schritten von aktuell neun Euro auf 9,75 Euro angehoben werden. Im Westen steige er im gleichen Zeitraum von 10,70 Euro auf elf Euro. Die neuen Regelungen gelten für 27 Monate. Sie lösen den aktuellen bundesweiten Mindestlohn-Tarifvertrag ab, der Ende August ausläuft.



Quelle: Reuters (23. Mai 2009)

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Themen: Germany , Frankfurt , Lohn , Gewerkschaft , Western Europe , Europe , German General News , Domestic Politics , Central And Eastern Europe , German Money , Business Activities , Labour; Employment; Unemployment , Wolfgang Clement , Macro-economics , Industrial Machinery , Machinery , Construction And Engineering (industry) , Building Materials

Erschienen 23. Mai 2009 bei http://www.reuters.com.

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