Stillscheigende Pflichtverteidigerbestellung
So etwas gibt´s auch: Da verteidigt ein Kollege in der Revisionshauptverhandlung vor dem Bundesgerichtshof und stellt Anträge, ohne sich als (Wahl-)Verteidiger bestellt oder legitimiert zu haben und ohne vom Gericht förmlich zum Pflichtverteidger für das Revisionsverfahren bestellt worden zu sein. Fragt sich natürlich, auf welcher Grundlage er dann überhaupt verteidigt hat. Jedenfalls merkt der Kollege später, dass seine Beiordnung in 1. Instanz sich nicht auf das Revisionsverfahren erstreckt hat und beantragt deshalb nachträglich seine Beiordnung als Pflichtverteiger für das Revisionsverfahren. Das weist der Vorsitzende des 1. Strafsenats allerdings mit Verfügung vom 6.9.2006 - 1 StR 113/06 - zurück, weil die nachträgliche Bestellung eines Verteidigers nicht möglich sei. Die Beiordnung erfolge nämlich nicht im Kosteninteresse des Angeklagten sondern zu Sicherung der Durchführung eines noch ausstehenden Verfahrens und vorliegend sei das Revisionsverfahren bereits abgeschlossen. Aber einen gewichtigen Trost hat der Vorsitzende für den Kollegen: Der Beiordnungsantrag sei gar nicht erforderlich gewesen, weil in der Revisionsverhandlung bereits eine stillschweigende Beiordnung zum Pflichtverteidiger erfolgt sei. Der Anwalt sei nämlich - ohne sich als Verteidiger ausgewiesen zu haben - zur Revisionshauptverhandlung geladen worden und das Gericht habe auch Anträge von ihm entgegengenommen. Hierin liege eine stillschweigende Bestellung, da es sich um den Fall einer notwendigen Verteidigung gehandelt habe (vgl. auch BGH NStZ 1997, 299f. m.w.N.). Frei nach dem Motto: Stell Dir vor, Du bist Pflichtverteidiger und keiner hat´s gemerkt. Nicht mal Du selbst. Jedenfalls hat der erfolglose Antrag des Kollegen auf Beiordnung Klarheit geschaffen, dass er sein Honorar auf Kosten der Staatskasse abrechnen kann. Ist doch auch was, oder? So erfolglos ist man doch gerne, denke ich ... Autor: RA Rainer Pohlen Kanzlei POHLEN + MEISTER
Zweiter Pflichtverteidiger in der Revisionsinstanz? Nein, einer reicht….
Heymanns Strafrecht Online Blog | 20. Februar 2012 — Zwischen all den karnevalistischen Meldungen kurz der Hinweis auf den BGH, Beschl. v. 02.02.2012 – 4 StR 541/11. Dort hatte im …
Pflichtverteidigervergütung IN OWi-Sachen: Die Beiordnung eines Pflichtverteidiger in Bußgeldsachen
Verteidiger aus Berlin | 22. Juni 2011 — Ein Strafgericht hat dem Beschuldigten auf Antrag oder von Amts wegen einen Verteidiger beizuordnen, wenn wegen der Schwere der…
BGH-Entscheidung kann Kostenfestsetzung retten
Heymanns Strafrecht Online Blog | 21. September 2009 — Immer wieder Streit/Ärger/Missfallen gibt es, wenn der Rechtsanwalt im Zusammenhang mit einem Kostenfestsetzungsantrag am Ende …
Pflichtverteidigerbeiordnung Nach Verfahrenseinstellung: Pflichtverteidigerbeiordnung nach Verfahrenseinstellung
strafblog | 15. März 2006 — Das Landgericht Dresden hat einen Rechtsanwalt nach erfolgter Verfahrenseinstellung rückwirkend zum Pflichtverteidiger bestellt, w…
Beiordnung Eines Verteidgers Notwendig: Mögliche Interessenkollision und Beiordnung als Pflichtverteidiger
strafblog | 23. März 2006 — Der Bundesgerichtshof hat mit Beschluss vom 15.11.2005 - 3 StR 327/05 -, abgedruckt bei StV 2006, 113, der Revision eines Angeklag…
Richter als Büttel der Staatskasse
Strafprozesse und andere Ungereimtheiten | 25. März 2006 — Immer wieder gibt es Richter, die meinen, durch Pflichtverletzung dem Staat Geld sparen zu können. Sie bescheiden Anträge auf Beio…
Wo ist der “tiefere Sinn” eines Beiordnungsantrages im Falle notwendiger Verteidigung?
Rechtsanwalt Achim Flauaus | 2. November 2009 — Vorgänge wie der folgende sind es, weswegen sich das Mitleid über die Überlastung der Richter in Grenzen hält. Überlastung ist …
Waffengleichheit im Strafverfahren? Hergestellt durch Bestellung eines Pflichtverteidigers
Heymanns Strafrecht Online Blog | 24. Juni 2010 — Im Moment reißen die m.E. berichtenswerten Entscheidungen zur Pflichtverteidigung nicht ab. So auch der mir von einem Kollegen …
Pflichtverteidiger die 3: Zeitnahe Beiordnung erforderlich – neues zur rückwirkenden Beiordnung
Heymanns Strafrecht Online Blog | 21. Januar 2011 — Das LG Dresden hat sich jetzt in seinem Beschl. v. 06.01.2011 – 3 Qs 174/10 dem OLG Stuttgart (vgl. hier) angeschlossen und geh…
AN Ladungs Statt: Für Fehler des Gerichts muss der Angeklagte büßen?
Heymanns Strafrecht Online Blog | 4. Mai 2009 — Man ist je doch erstaunt, was es so alles gibt: Der Angeklagte hat einen Pflichtverteidiger, der zunächst Wahlverteidiger war…

