Steuereinnahmen weiter im Aufwind - aber Rekordschulden im Etat

Berlin (Reuters) - Trotz der unerwartet günstigen Steuerentwicklung wird der Bund in diesem Jahr an einem neuen Schuldenrekord nicht vorbeikommen.

Insgesamt nahmen Bund, Länder und Gemeinden - ohne die reinen Kommunalsteuern - im Oktober drei Prozent mehr an Steuern ein, hieß es in dem am Montag veröffentlichen Monatsbericht des Finanzministeriums. In den ersten zehn Monaten wurde das entsprechende Niveau der Steuereinnahmen vom Jahr zuvor "exakt getroffen". Für den Bundeshaushalt ergibt sich deshalb eine bessere Entwicklung als in den ursprünglichen Planungen vorgezeichnet. "Die bisherige Entwicklung rückt eine tatsächliche Nettokreditaufnahme im Bundeshaushalt 2010 von rund 50 Milliarden Euro für das Jahresende in den Bereich des Möglichen", hieß es. Allerdings seien das immer noch Neuschulden in nie gekannter Höhe.

Die bis dato höchste Neuverschuldung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland lag dem Ministerium zufolge bei 40 Milliarden Euro im Jahre 1996. Der vom Ministerium nun für 2010 genannte Wert liegt damit rund zehn Milliarden Euro über diesem alten Rekord. Allerdings hatten Experten in jüngster Zeit die Hoffnung genährt, dass die Summe der Neukredite in diesem Jahr die 50-Milliarden-Markte noch deutlich unterschreiten könnte. Von Januar bis Oktober stiegen die Ausgaben des Bundes um 4,5 Prozent, während in den Planungen für das Gesamtjahr ein Zuwachs von 9,3 Prozent unterstellt ist. Die Einnahmen des Bundes lagen nur mit 2,3 Prozent im Minus verglichen mit einem veranschlagten Rückgang in den Sollzahlen von 7,3 Prozent. Für die ersten zehn Monate ergab sich damit eine Haushaltslücke von 54,8 Milliarden Euro, das sind aber mehr als 25 Milliarden Euro unterhalb des Wertes von über 80 Milliarden Euro im Haushaltsplan 2010.

Die Steuerentwicklung im Oktober kam vor allem dem Bund zugute. Im Monatsbericht wird für den ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 12,7 Prozent ausgewiesen. Die Länder dagegen kommen nur auf einen kleinen Zuwachs von knapp vier Prozent. Um sechs Prozent rückläufig waren dabei die Einnahmen aus der Lohnsteuer. Die nicht veranlagten Steuern auf den Ertrag schnellten um 90 Prozent nach oben. Die Steuern auf den Umsatz - nämlich die Einfuhrumsatzsteuer und die inländische Mehrwertsteuer - brachten 5,6 Prozent mehr. Die Körperschaftsteuer, die die großen Kapitalgesellschaften auf den Gewinn zu zahlen haben, lag dagegen wie im Vorjahresmonat mit 1,1 Milliarden Euro im Minus. Bedingt ist das laut Monatsbericht zum Teil durch Auszahlungen auf Altkapitalguthaben.



Quelle: Reuters (22. November 2010)

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Berlin , Germany , Western Europe , Europe , Financials , Rekord , Taxation , Etat , Banking Services , German Language - General , Government / Politics , National Government Debt , Central/eastern Europe , German Language - Money , Debt / Fixed Income Markets

Erschienen 22. November 2010 bei http://www.reuters.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Bund trotz günstigerer Steuerentwicklung vor Schuldenrekord

Reuters | 20. Dezember 2010Berlin (Reuters) - Trotz einer günstigeren Steuerentwicklung wird der Bund im laufenden Jahr einen neuen Schuldenrekord nicht v…

Ministerium: Neuverschuldung 2008 wird im Plan bleiben

Reuters | 20. Juni 2008Berlin (Reuters) - Die Neuverschuldung des Bundes dürfte nach Einschätzung des Finanzministeriums in diesem Jahr im Rahmen des …

Steuereinnahmen wuchsen im September nur noch leicht

Reuters | 23. Oktober 2008Berlin (Reuters) - Die Steuereinnahmen von Bund und Ländern sind im September nur noch leicht gewachsen. Sie stiegen um 0,8 P…

Bundesetat - Bislang geringerer Ausgabenanstieg als geplant

Reuters | 21. Juli 2008Berlin (Reuters) - Die Ausgaben des Bundes haben sich im ersten Halbjahr günstiger entwickelt als auf Ganzjahresbasis geplant. …

Deutliches Plus bei deutschen Steuereinnahmen im Juni

Reuters | 10. Juli 2008Berlin (Reuters) - Die noch immer gute Konjunktur und die Erholung am Arbeitsmarkt haben dem Staat auch im Juni mehr Steuereinn…

Rezession drückt die Steuereinnahmen zusehends

Reuters | 30. Januar 2009Berlin (Reuters) - Die Rezession drückt zusehends die Steuereinnahmen des deutschen Fiskus. Mit einem kleinen Plus von 0,4 Pr…

Weiter positiver Trend bei Steuereinnahmen von Bund und Ländern

Reuters | 21. Februar 2011Berlin (Reuters) - Der positive Trend bei den Steuereinnahmen von Bund und Ländern hat sich dank der guten Konjunktur auch im J…

Bund erwartet weniger ungünstige Schuldenentwicklung

Reuters | 20. November 2009Berlin (Reuters) - Die unerwartet lebhafte Konjunkturerholung wird die Neuverschuldung des Bundes vermutlich weniger stark anst…

Finanzministerium mahnt trotz guter Etatzahlen zum Sparen

Reuters | 28. Januar 2011Berlin (Reuters) - Das Bundesfinanzministerium hat vor einer Lockerung des Sparkurses gewarnt. Der Bundeshaushalt habe zwar i…

Zeitung: Steuereinnahmen im Oktober um drei Prozent gestiegen

Reuters | 13. November 2010Berlin (Reuters) - Dank der guten Konjunkturentwicklung sprudeln die Steuereinnahmen in Deutschland weiter kräftig. Nach eine…