Prozess gegen mutmaßlichen KZ-Wächter Demjanjuk beginnt November
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München (Reuters) - Die Münchner Staatsanwaltschaft hat den mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher John Demjanjuk angeklagt.
Dem 89-Jährigen werde Beihilfe zum Mord in 27.900 Fällen zur Last gelegt, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag mit. Verhandelt wird der Fall - vermutlich einer der letzten großen Prozesse über Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus - am Landgericht München.
Die Anklage bezieht sich auf mutmaßliche Taten des gebürtigen Ukrainers als Wachmann im Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen im Jahr 1943. Demjanjuk ist nach Angaben des Simon-Wiesenthal-Zentrums der meistgesuchte Kriegsverbrecher. Er soll Kinder, Frauen und Männer in Gaskammern getrieben haben. Demjanjuk bestreitet, an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen zu sein.
"Nach dem vorliegenden ärztlichen Gutachten wird von einer Verhandlungsfähigkeit des Angeschuldigten ausgegangen", so die Staatsanwaltschaft. Die Ärzte hätten jedoch empfohlen, die Verhandlungsdauer auf zwei Mal 90 Minuten pro Tag zu beschränken. Demjanjuk wurde Mitte Mai von den USA abgeschoben und sitzt seitdem im Münchner Gefängnis Stadelheim. Er leidet unter Nierenversagen, Blutarmut und hat Probleme mit der Wirbelsäule.
Das Landgericht und Demjanjuks deutscher Anwalt wollten sich nicht äußern, weil ihnen die Anklage noch nicht vorliege. Es wird damit gerechnet, dass der Prozess im Herbst beginnen könnte.
Demjanjuk stand schon einmal wegen Beihilfe zum Mord an Tausenden Juden vor Gericht. 1988 wurde er in Israel zum Tode verurteilt. Er wurde für "Iwan den Schrecklichen" gehalten, ein im Vernichtungslager Treblinka für seine sadistischen Taten berüchtigter Aufseher. Nach neuen Beweisen hob das Oberste Gericht Israels das Todesurteil allerdings auf, und Demjanjuk kehrte in die USA zurück. Dort lebte bis zu seiner Abschiebung nach Deutschland.
Erschienen 13. Juli 2009 bei http://www.reuters.com.
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