"Spiegel": KSK jagt Taliban-Kommandeur in Afghanistan

Berlin (Reuters) - Die Bundeswehr-Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) macht dem "Spiegel" zufolge in Afghanistan Jagd auf die Verantwortlichen für Anschläge auf deutsche Soldaten.

Ein Zugriffsversuch sei allerdings im Mai gescheitert, weil der Taliban-Kommandeur für den Nordosten des Landes, Mullah Salam, offenbar gewarnt worden sei. In dem Nachrichtenmagazin kündigte er "Rache für jeden unschuldig getöteten Afghanen" an. Als Blutgeld für die drei an einem Kontrollposten getöteten Zivilisten zahlte die Bundeswehr dem "Spiegel" zufolge 20.000 Dollar an ihren Familienclan.

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte, zu Einsätzen des KSK werde grundsätzlich keine Stellung genommen. Der "Spiegel" berichtete, Salam stehe bei der KSK ganz oben auf der Fahndungsliste. In einem Telefonat habe er vergangene Woche bekräftigt, er werde den "heiligen Krieg" fortführen, bis die Deutschen Kundus und auch alle anderen Besatzer Afghanistan verlassen hätten. "Jeder, der im Interesse der Amerikaner unser Land besetzt, muss getötet werden", zitierte ihn der "Spiegel".

Dem Magazin zufolge wird Salam unter anderem der tödliche Anschlag auf drei Soldaten im Mai 2007 auf einem Marktplatz in Kundus zugeschrieben. Auch soll er für viele der nächtlichen Angriffe auf das deutsche Feldlager verantwortlich sein. "Die Deutschen sind die entscheidenden Aggressoren im Norden und geben sich als bezahlte Marionetten Amerikas her", sagte er.

Nach den Schüssen auf eine Frau und zwei Kinder an einem Kontrollposten der afghanischen Armee und der Bundeswehr vor zwei Wochen südlich von Kundus habe die Bundeswehr sofort über eine Entschädigung verhandelt, schrieb das Magazin. Es habe die Befürchtung bestanden, dass sich die Stimmung in der Bevölkerung gegen die deutschen Soldaten richte. Bereits vergangene Woche hatte das Verteidigungsministerium bestätigt, dass der Familie eine in dem Land übliche Entschädigung gezahlt worden sei.

Zunächst habe ein Vertreter der Bundeswehr 5000 Dollar in bar übergeben, berichtete das Magazin. Bei einem zweiten Treffen mit der Familie im sogenannten Deutschen Haus in Kundus habe der Familienälteste am Freitag weitere 15.000 Dollar erhalten. Der Clanchef sagte dem Magazin, damit sei "das Problem mit den Deutschen erledigt". Die Familie hatte nach Angaben des Verteidigungsministeriums Blutrache geschworen. Dem "Spiegel" zufolge hatte die Familie nach der Tötung erwogen, mit den Leichen durch Kundus zu ziehen. Der "Spiegel" berichtete, die tödlichen Schüsse habe ein Feldjäger aus Brandenburg abgegeben.

Anfang Oktober will die Bundesregierung über das neue Mandat für die Bundeswehr entscheiden, das um 1000 auf 4500 Soldaten erhöht werden soll. Die Soldaten stehen unter dem Kommando der Nato-Schutztruppe Isaf. Daneben gibt es den US-geführten Anti-Terror-Einsatz "Operation Enduring Freedom" (OEF). In diesem Rahmen können bis zu 100 KSK-Soldaten eingesetzt werden. Die USA planen derzeit, die militärische Führung über ihre Isaf- und ihre OEF-Soldaten unter einem Oberbefehl zusammenzufassen. Zudem wird erwogen, die US-Truppen weiter aufzustocken.



Quelle: Reuters (6. September 2008)

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Themen: Berlin , Taliban , Afghanistan , Bundeswehr , Jagd , Ksk

Erschienen 6. September 2008 bei http://www.reuters.com.

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