Spezialmedikamente treiben Kosten der Krankenkassen in die Höhe
Berlin (Reuters) - Die steigende Zahl teurer Biotech-Medikamente sorgt bei der gesetzlichen Krankenversicherung für einen Kostenschub.
Der Anteil gentechnisch hergestellter Arzneien, die etwa bei Krebs und Multipler Sklerose eingesetzt werden, mache bereits rund 13 Prozent aus und wachse stetig, ergab der am Dienstag vorgestellte Arzneiverordnungsreport der Gmünder Ersatzkasse (GEK). Von den sechs umsatzstärksten Präparaten der GEK seien fünf gentechnisch hergestellt, sagte Vorstandschef Rolf-Ulrich Schlenker in Berlin.
Sogenannte biologische Medikamente wie etwa die Arthritismittel Humira von Abbott Laboratories oder Enbrel von Wyeth beruhen auf Substanzen, die über gentechnische Verfahren mit hohem technischen Aufwand produziert werden. Solche Therapien kosten nach Angaben des Bremer Gesundheitsökonomen Gerd Glaeske mehr als 50 Euro am Tag. Zum Teil seien Kosten von 70.000 bis 80.000 Euro pro Jahr keine Seltenheit. Spezialpräparate kommen etwa 20 Prozent der Versicherten zugute, auf die allerdings 80 Prozent der Ausgaben für Medikamente entfallen.
Die Auswertung der rund elf Millionen Verordnungen für GEK-Versicherte im Jahr 2008 ergab neun Prozent höhere Ausgaben für Medikamente pro Versichertem. Auf alle Kassen bezogen betrug der Zuwachs nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) 5,4 Prozent.
Glaeske unterstrich, die Kostensteigerungen durch die Spezialarzneien seien selbst durch den verstärkten Einsatz billigerer Nachahmerpräparate (Generika) oder durch die konsequentere Verbannung von Scheininnovationen nur bedingt auszugleichen. Gleichwohl sei nicht akzeptabel, dass Medikamente ohne Zusatznutzen wie etwa das Magenmittel Pantozol noch immer Umsatzzuwächse von 33 Prozent aufwiesen. Diese seien längst durch billigere Varianten austauschbar.
Der Wissenschaftler und Regierungsberater bezeichnete es als "systemsprengend", dass die Hersteller für von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattete Medikamente noch immer selbst die Preise bestimmen könnten. Kein Präparat dürfe mehr ohne Preisverhandlung auf dem GKV-Markt zugelassen werden, forderte er. Schlenker plädierte dafür, dass die Ärzte künftig nur noch einen einzigen Wirkstoff verordnen sollten. Die Apotheker sollten dazu das wirtschaftlichste Mittel heraussuchen und einen Durchschnittspreis garantieren.
Die rapide steigenden Arzneiausgaben sind den Kassen ein Dorn im Auge. Aufgrund der angespannten Finanzsituation werden bei einigen im Laufe des Jahres wohl Zusatzbeiträge fällig.
Quelle: Reuters (9. Juni 2009)
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Erschienen 9. Juni 2009 bei http://www.reuters.com.
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