Spediteure kritisieren Tiefensees Anti-Stau-Vorschläge
am 30.06.2008 von http://www.reuters.com
Berlin (Reuters) - Die deutschen Spediteure haben die Pläne des Verkehrsministeriums gegen lange Staus und unnötigen Spritverbrauch auf Autobahnen kritisiert.
Die Ausdehnung des Überholverbots für Lkw oder die Veränderung der Maut nach Tageszeiten werde dies nicht erreichen und stattdessen die Waren verteuern, bemängelten Logistikverbände am Montag. Der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) erklärte, wenn beispielsweise ein langsamer alter Lkw auf der Autobahn alle nachfolgenden Fahrzeuge blockiere, führe das zu zusätzlichen Transportkosten. Der gleiche Effekt treten ein, wenn die Lkw-Maut in Zeiten dichten Berufsverkehrs erhöht werde.
Der Bundesverband der Transportunternehmen (BVT) sprach von einer Sommerlochnummer. Adressaten des Vorschlags zum LKW-Überholverbot seien eigentlich die Autofahrer, die sich über Laster ärgerten. Tatsächlich würden dann aber auch langsame Autos und Busse nur noch die linke Spur benutzen, das Auffahren an Anschlussstellen würde zudem erschwert.
Die Grünen forderten als einfachsten Weg zum Spritsparen und zur Stauvermeidung auf Autobahnen erneut ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern. Damit könnte zudem die Zahl der Verkehrstoten begrenzt werden, sagte Fraktionschef Fritz Kuhn. Der Autoclub Europa (ACE) stellte sich dagegen hinter Tiefensee. Nur so könne das Verkehrswachstum auf der Straße abgefangen werden.
Der Bundesverband Güterkraftverkehr und Logistik (BGL) wandte sich gegen Pläne die Maut zu bestimmten Tageszeit zu erhöhen. Die Spediteure könnten nicht ausweichen, da sie sich nach Lieferfristen richten müssten, sagte Hauptgeschäftsführer Karlheinz Schmidt. Er verwies auf die geplanten Kostensteigerungen durch die für 2009 geplante Anhebung der Lkw-Maut. Diese würde zudem deutlich höher ausfallen als vom Verkehrsministerium in Aussicht gestellt. Auch in Regierungskreisen war die von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) genannte Zahl eines durchschnittlichen Maut-Satzes pro Kilometer von 16,2 Cent in Zweifel gezogen worden. Das Statistische Bundesamt gab am Montag bekannt, dass die Transportpreise auf der Straße zwischen Januar und März um rund drei Prozent gestiegen seien. Hauptgrund seien die Energiekosten.
DSLV-Vizepräsident Manfred Boes sagte in der Neuen Osnabrücker Zeitung, die Vorschläge aus Tiefensees Masterplan Güterverkehr und Logistik seien von Spediteuren, aber auch Wirtschaftsverbänden wie dem BDI schon grundsätzlich abgelehnt worden. Tiefensee hatte am Wochenende angekündigt, seinen Masterplan noch im Juli vom Kabinett beschließen zu. Die Maut-Spreizung nach Tageszeiten wird darin nicht enthalten sein. Sie kann erst eingeführt werden, wenn fast alle Lkw mit Bordcomputern ausgerüstet sind.
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