Sozialrecht: Anspruch auf Zubehör für Rollstuhl

Behinderte, die in einem Kraftfahrzeug nur in einem Rollstuhl sitzend transportiert werden können und zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Schulpflicht auf einen solchen Transport angewiesen sind, haben gegen die gesetzliche Krankenversicherung Anspruch auf Gewährung eines sogenannten Kraftknotens als Zubehör zu ihrem Rollstuhl.Diese Entscheidung erstritt ein auf den Rollstuhl angewiesener Behinderter vor dem Landessozialgericht (LSG) Rheinland-Pfalz. Er besuchte eine Sonderschule und wohnte unter der Woche in einem Schulinternat. Da er eine spezielle Sitzschale brauchte, konnte er in einem Fahrzeug nur im Rollstuhl sitzend transportiert werden. Die Krankenkasse lehnte seinen Antrag auf Versorgung mit einem Kraftknoten ab, weil dieser nicht in die Zuständigkeit der Krankenkasse falle und im Übrigen der Fahrzeuginhaber für einen sicheren Transport zu sorgen habe. Das LSG bestätigte seinen Anspruch auf Ausstattung des Rollstuhls mit dem Kraftknoten. Bei dem Kraftknoten werden am Rollstuhlrahmen Schlosszungen verschraubt, die eine Befestigung der Gurte des im Fahrzeug angebrachten Rollstuhlrückhaltesystems ermöglichen. Der Rollstuhl kann so wesentlich sicherer als mit herkömmlichen Rückhaltesystemen transportiert werden. Die Richter wiesen darauf hin, dass der Transport in einem Kraftfahrzeug auch zu den Grundbedürfnissen des täglichen Lebens gehöre, soweit der Behinderte zur Erfüllung der Schulpflicht auf einen Transport in einem Kraftfahrzeug angewiesen sei und nur im Rollstuhl sitzend transportiert werden könne. Für die Erfüllung der Grundbedürfnisse des täglichen Lebens sei die Krankenkasse zuständig. Der Sicherheitsvorteil durch den Kraftknoten sei so erheblich, dass der Behinderte nicht auf andere Rückhaltesysteme verwiesen werden könne (LSG Rheinland-Pfalz, L 5 KR 129/07).

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Rheinland , Lsg , Behinderter

Erschienen 17. Mai 2008 auf http://www.ferner-alsdorf.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Zweiter Elektro-Rollstuhl

Rechtslupe | 8. Juli 2011 — Zum Ausgleich einer Behinderung im Bereich der Mobilität haben Versicherte gegenüber ihrer gesetzlichen Krankenkasse einen Ansp…

Anspruch auf Sportrollstuhl von Krankenkasse?

BLEIL | 8. September 2011 — Das Bundessozialgericht hat mit Urteil vom 18. Mai 2011 entschieden (Az.: B 3 KR 10/10 R), dass eine Krankenkasse, die einem behin…

Rollstuhlfahrer können Anspruch auf Elektro-Handbike haben

Kanzlei Blaufelder | 18. Februar 2012 — Rollstuhlfahrer können im Einzelfall Anspruch auf ein „Handbike“ mit zuschaltbarem Elektroantrieb haben. Die gesetzliche Kran…

Besoffen im Rollstuhl - heftige Strafe

Blog der Verkehrsunfallabwicklung | 8. Juni 2007 — Es gibt Sachen, die gibts nicht: Wegen Trunkenheit im Rollstuhl ist ein Kanadier zu einer Geldbusse verurteilt worden.Der 35-jäh…

Hilfsmittel statt Pflegekraft

Rechtslupe | 24. März 2011 — Eine Krankenkasse kann ein notwendiges Hilfsmittel nicht mit der Begründung ablehnen, der entsprechende Bedarf könne auch durch…

BSG: Anspruch auf Rollstuhl-BIKE ?

Jus@Publicum | 18. Mai 2011 — click Gibt es einen Anspruch auf Rollstuhl-Bike oder ist manuell zu bewegender Rollstuhl (Aktivrollstuhl) mit einem Rollator

Kein Elektro-Rollstuhl von der Krankenkasse

Rechtslupe | 13. September 2010 — Erwachsene Krankenversicherte haben, wie jetzt das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen in dem Fall eines gehbehinderten erw…

Elektronischer Rollstuhl: Fahrverbot bei elektronischen Rollstuhl

Rechtsanwalt News | 23. Juli 2009 — Beim Recherchieren nach einem Urteil zum Thema Fahrverbot gefunden: AG Löbau NJW 2008, 530-531, Urteil vom 07.06.2007: De…

Fahrverbot für den Elektrorollstuhl

Kreuzberger Verkehrsrecht | 8. Mai 2008 — Niemand ist sicher vor dem Arm des Gesetzes: Auch nach Trunkenheitsfahrten mit einem Elektrorollstuhl droht unter Umständen e…

1 6 Promille Führerscheinentzug: Ab 1,6 Promille Blutalkohol droht Rollstuhlfahrern ein Fahrverbot

Handakte WebLAWg | 26. August 2008 — Auch Gehbehinderte können durch richterliche Anordnung in ihrer Mobilität beschränkt werden. So droht Fahrern von Elektrorollst…