Sozialleistungen ab 2012 nur noch mit Hilfe von "ELENA"

Berlin (Reuters) - Millionen von Bundesbürgern werden voraussichtlich ab 2012 bei Anträgen auf einige Sozialleistungen eine elektronischen Signatur benötigen.

Nach jahrelangen Diskussionen will das Bundeskabinett am Mittwoch die Einführung eines "elektronischen Einkommensnachweises" (ELENA) beschließen, wie der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Hartmut Schauerte, am Dienstag ankündigte. Solche Nachweise sind als Berechnungsbasis für Sozialleistungen nötig und werden bisher von den Unternehmen millionenfach für ihre Beschäftigten auf Papier ausgefertigt. Künftig soll das elektronisch laufen. Dabei müssen Bürger die Daten mit einer digitalen Unterschrift freigeben. "Es wird keine neue Karte geben", stellte Schauerte klar. Vielmehr könne die digitale Signatur auf bestehende Karten, etwa Bankkarten, oder den neuen elektronischen Personausweis aufgespielt werden.

Schauerte sprach mit Blick auf die ursprünglich breiter geplanten Einsatzfelder für das neue System von einem "abgespeckten Verfahren", einer Art "Light"-Version. Zunächst solle "ELENA" nur in sechs Leistungsbereichen genutzt werden. Das betreffe alle Bescheinigungen für das Arbeitslosengeld I, das Wohngeld und das Bundes-Erziehungsgeld. Bis zu 45 weitere Vorgänge könnten danach noch für das System erschlossen werden.

Nutzer müssen zwar für den digitalen Schlüssel, die elektronische Signatur, für eine Laufzeit von drei Jahren zehn Euro zahlen. Auf Antrag erhalten sie diesen Betrag ohne Bedürftigkeitsprüfung verrechnet mit den betreffenden Sozialleistungen zurück. Die Rückerstattung gibt es aber nur in Zusammenhang mit Sozialleistungen. Nutze man die "digitale Signatur" lediglich für andere Zwecke, etwa zum Abschluss von Geschäften über das Internet, bleibe es bei der Gebühr. Bürger, die keine Sozialleistungen beantragen müssten, benötigten im Grundsatz den digitalen Schlüssel nicht.

Ziel des Systems ist der Abbau von Bürokratie zur Entlastung der Wirtschaft, eine Vereinfachung in der Verwaltung und ein Impuls für Innovation. Eingespart werden dürften laut Schauerte zugunsten der Wirtschaft anfangs rund 85 Millionen Euro im Jahr. Dem Staat entstünden anfängliche Systemkosten von rund elf Millionen Euro, die aber durch Einsparungen im Zuge des Verfahrens in der Verwaltung ausgeglichen werden dürften.

Datenschutzrechtliche Bedenken gegen das System wies Schauerte mit der Versicherung zurück, ohne Zustimmung des Betroffenen erhalte niemand Zugriff auf seine Daten. Zudem gebe es eine "doppelte" Sicherheit, denn auch der zuständige Behörden-Sachbearbeiter für die betreffende Leistung müsse sich mit einer digitalen Signatur ausweisen.

Die Daten über ihre Arbeitnehmer werden von Arbeitgebern an eine neue zentrale Datenzentrale übermittelt, von der sie dann bei einem Antrag auf Sozialleistungen abgefragt werden können. Systemführer für das neue Verfahren seien die Deutsche Rentenversicherung in Würzburg und die technische Informationsgesellschaft für die gesetzlichen Krankenkassen.

Aktuell stellen die rund drei Millionen deutschen Unternehmen nach Angaben des Wirtschaftsministeriums im Jahr rund 60 Millionen Bescheinigungen in Papierform an Behörden aus.



Quelle: Reuters (24. Juni 2008)

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Berlin , Elena

Erschienen 24. Juni 2008 bei http://www.reuters.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Kabinett beschließt elektronische Signatur für Sozialleistungen

Reuters | 25. Juni 2008Berlin (Reuters) - Millionen Bundesbürger sollen in naher Zukunft für Anträge auf Sozialleistungen eine elektronischen Signatur…

Regierung beschließt elektronische Signatur für Anträge

Reuters | 25. Juni 2008Berlin (Reuters) - Millionen Bundesbürger sollen für Anträge auf Sozialleistungen auf mittlere Sicht eine elektronischen Signat…

Kabinett will elektronische Jobkarte beschließen

Reuters | 24. Juni 2008Berlin (Reuters) - Das Bundeskabinett will am Mittwoch die Einführung einer digitalen Jobkarte beschließen. Der elektronische…

Einkommensnachweis Formular: Chipkarte für Arbeitnehmer wird Pflicht

Handakte WebLAWg | 24. Juni 2008 — Ab 2012 sollen Arbeitnehmer staatliche Leistungen wie etwa Kindergeld, Elterngeld, Wohngeld oder Arbeitslosengeld nur noch gege…

Kostenexplosion durch Elena: Regierung prüft den Nutzen von Elena

Rechtsteufel | 7. Juli 2010 — „Elena“ (elektronisches Entgeltnachweis-Verfahren) sollte alles besser und einfacher machen. Behörden und Betriebe sollten vom …

Brüderle bremst Arbeitnehmer-Datenspeicherung "Elena"

Reuters | 5. Juli 2010Berlin (Reuters) - Der bei Datenschützern und in der Wirtschaft umstrittenen elektronischen Speicherung von Arbeitnehmerdaten (…

Studie: Speicherung von Arbeitnehmerdaten entlastet Firmen kaum

Reuters | 13. September 2010Berlin (Reuters) - Die umstrittene Speicherung von Arbeitnehmerdaten (Elena) belastet einer Studie zufolge kleinere Betriebe un…

Elena Betriebsrat: ELENA ist da!

Betriebsrat Blog | 14. Januar 2010 — Ein Mädchen, es ist ein Mädchen! Am 1.1.2010 kam sie zur Welt! Nein, ganz so schön ist die Nachricht leider nicht… Denn mit E…

Elena-verfahrensgesetz: “Datenmonster” ELENA

For..Net | 28. August 2008 — Zur Entbürokratisierung der Sozialverwaltung hat das Bundeskabinett am 25.06.2008 den Gesetzentwurf über das Verfahren des elek…

ELENA kommt

Rechtslupe | 27. Januar 2009 — Der Bundestag hat das ELENA-Verfahrensgesetz (”Gesetz über das Verfahren des elektronischen Entgeltnachweises”) beschlossen. Hi…