Sitzungsvertretung: Die drei Gruppen der Richter
Drei Monate Sitzungsvertretung liegen hinter mir. Nun ist es an der Zeit, einige Eindrücke aus den Terminen zu schildern. Thema heute: Der Richter.
Als Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft hat man es als Referendar im Normalfall immer mit dem Strafrichter als Einzelrichter zu tun. Es gibt also keine Schöffen, neben dem Richter sitzt nur der Protokollführer und ausnahmsweise auch mal ein weiterer Referendar. Zudem muss man auch nur selten mit Publikum rechnen, so dass im Saal fast eine familiäre Stimmung aufkommen könnte.
Grundsätzlich bin ich immer davon ausgegangen, dass mir kein Richter irgendetwas Böses will. Solange man pünktlich erscheint, sich nicht benimmt wie ein “Bauer” und zumindest so tut, als hätte man Ahnung von dem was man von sich gibt, sollte es bei der Sitzungsvertretung deshalb eigentlich auch keine Probleme geben. Und trotzdem kann man natürlich unterschwellig bemerken, ob der Vorsitzende ein Problem damit hat, dass ein Referendar die Verhandlungen auf Seiten der Staatsanwaltschaft führt. Meiner Erfahrung nach lassen sich die Richter dabei in drei wesentliche Gruppen aufteilen:
Typ 1: Jung und aufgeschlossen
Die meiste Freude hatte ich mit relativ jungen Richtern, die sich ausnahmslos sehr aufgeschlossen gegenüber dem Referendar gezeigt haben. Man merkt schnell, dass diesem Typ Richter die Erfahrung der Sitzungsvertretung selbst noch genau im Gedächtnis ist und fühlt sich deshalb zumeist so behandelt, als würde man mit ihm auf einer zumindest ähnlichen Stufe stehen. In den vielen Pausen, die insbesondere durch nicht anwesende Angeklagte entstehen, gibt es hier auch mal ein privates Gespräch und so freue ich mich im Nachhinein auch darüber, dass ich von zumindest zwei Vorsitzenden mit Namen gegrüßt werde, wenn ich ihnen auf dem Gang begegne. Vielleicht einziger Nachteil des Typ 1: Die Arbeitsweise kann manchmal ein wenig anstrengend korrekt werden, wenn es beispielsweise darum geht, ob ein Angeklagter einen Tatbestand erfüllt hat. Während ich bei Schwarzfahrerfällen gerne plädiert habe, dass ein Angeklagter, der fünfmal ohne Ticket erwischt wurde eben auch fünf mal “schwarz” gefahren sei, wurde vom Richter her noch versucht, den Vorsatz für jede einzelne Tat ausgiebig zu ermitteln.
Typ 2: Bitte nicht stören
Etwas schwieriger ist dagegen dieser Typ Richter. Zumeist im Alter zwischen 40 und 50 geht es ihm eigentlich nur darum, die Fälle schnellstmöglich und pragmatisch vom Tisch zu bekommen. Der Referendar als Sitzungsvertreter ist ein notwendiges Glied in der Kette, der eigentlich nur dann richtig gut ist, wenn er sich kurz fasst und möglichst ohne Probleme funktioniert. Jede freie Minute nutzt dieser Richter um we…
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Erschienen 5. September 2008 auf http://www.rechtseinblicke.de.
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