Sind kostenlose Arzneimitteldatenbanken wettbewerbswidrig?

Amtlicher Leitsatz:

Das Angebot einer durch Werbung finanzierten und deswegen für Ärzte kostenlosen Datenbank, die diesen Informationen und Hinweise für die Verordnung von Arzneimitteln gemäß § 73 Abs. 8 SGB V gibt, stellt keine Werbegabe im Sinne von § 7 Abs. 1 Satz 1 HWG, § 33 Abs. 2 der Berufsordnung für die bayerischen Ärzte dar (Fortführung von BGH, Urteil vom 21. Juni 1990 I ZR 240/88, GRUR 1990, 1041 = WRP 1991, 90 Fortbildungs-Kassetten).

Bundesgerichtshof

Urteil vom 17.08.2011

Az.: I ZR 13/10

Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 1. Juni 2011 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Bornkamm und die Richter Prof. Dr. Büscher, Dr. Schaffert, Dr. Kirchhoff und Dr. Koch für Recht erkannt: Die Revision gegen das Urteil des 29. Zivilsenats des Oberlandesgerichts München vom 3. Dezember 2009 wird auf Kosten der Klägerin zurückgewiesen. Von Rechts wegen Tatbestand: Die Parteien stehen beim Vertrieb von Arzneimitteldatenbanken, die Ärzten Informationen und Hinweise für die Verordnung von Arzneimitteln gemäß § 73 Abs. 8 SGB V geben, miteinander im Wettbewerb. Von solchen Datenbanken machen die Ärzte typischerweise bei der Auswahl der zu verschreibenden Arzneimittel Gebrauch, wobei sie im Rahmen der Anwendung der Datenbanken auch Rezepte ausdrucken können. Die Beklagte vertreibt neben einer entgeltlichen Arzneimitteldatenbank, die keine Werbung enthält, die kostenlose Arzneimitteldatenbank „ifap praxisCENTER“. Diese blendet während der Recherche hersteller- und produktbezogene Werbung in Form von Produktwerbebannern für einzelne Arzneimittel, Herstellerwerbebannern in Arzneimittellisten und Firmennamen einschließlich Bannerwerbung mit Registerkarten ein. Nach Ansicht der Klägerin handelt die Beklagte mit dem Angebot ihrer kostenlosen Datenbank wettbewerbswidrig, weil das Angebot die Ärzte zu einem berufsordnungswidrigen Verhalten verlockt, eine nach dem Heilmittelwerbegesetz verbotene Zuwendung darstellt, die Ärzte unangemessen unsachlich beeinflusst sowie zu einer allgemeinen Marktbehinderung bzw. Marktstörung führt. Die Klägerin hat mit ihrer deswegen erhobenen Klage beantragt, es der Beklagten unter Androhung näher bezeichneter Ordnungsmittel zu untersagen, im geschäftlichen Verkehr zu Wettbewerbszwecken die Arzneimitteldatenbank „ifap praxisCENTER“ kostenlos anzubieten, anzukündigen oder zu gewähren. Darüber hinaus hat die Klägerin die Feststellung der Schadensersatzpflicht der Beklagten begehrt und diese auf Erteilung entsprechender Auskünfte in Anspruch genommen. Das Berufungsgericht hat die im ersten Rechtszug erfolgreiche Klage abgewiesen (OLG München, GRUR-RR 2010, 305). Mit ihrer vom Senat zugelassenen Revision, …

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Urteile , Gewerblicher Rechtsschutz , Datenbank , Sgb , Hwg , Arzneimittelrecht , Internetrecht /online-recht
Rechtsgebiet: Wettbewerbsrecht

Erschienen 12. Oktober 2011 auf http://www.kanzlei.biz/.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Werbefinanzierte Arzneimitteldatenbank und die Ärzte-Berufsordnung

Rechtslupe | 11. Oktober 2011 — Eine Datenbank, die sich durch Werbung finanziert und Ärzten kostenlos Informationen und Hinweise für die Verordnung von Arznei…

BGH: Durch Werbung finanzierte Arzneimitteldatenbank ist keine “Werbegabe” im Sinne des Heilmittelwerbegesetzes (HWG)

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 9. Oktober 2011 — BGH, Urteilo vom 17.08.2011, Az. I ZR 137/10§ 3 UWG, § 4 Nr. 11 UWG; § 7 Abs. 1 S.1 HWG; § 33 Abs. 2 BayBOÄ Der BGH hat ent…

BGH: Durch Werbung finanzierte kostenlose Arzneimittel-Datenbank für Ärzte ist keine unzulässige Werbegabe im Sinne von § 7 Abs. 1…

Beckmann und Norda Rechtsanwälte Bielefeld | 5. Oktober 2011 — BGH Urteil vom 17.08.2011 I ZR 13/10 Arzneimitteldatenbank UWG §§ 3, 4 Nr. 11; HWG § 7 Abs. 1 Satz 1; Berufsordnung für die bayeri…

Ifap Praxiscenter Kostenlose, Werbefinanzierte Version: Kostenlose Abgabe werbefinanzierter Arzneimitteldatenbanken

Handakte WebLAWg | 4. Dezember 2009 — Das Landgericht München I hatte mit seinem Endurteil vom 15.4.2009 der ifap Service-Institut für Ärzte und Apotheker GmbH (ifap…

Bonussysteme beim Verkauf von Medikamenten?

BLOG | MEIN-RECHT-IM-NETZ.DE | 10. September 2010 — Der für das Wettbewerbsrecht zuständige I. Zivilsenat des BGH hat sich zu der lange Zeit umstrittenen Frage geäußerst, ob bei der …

Werbung verboten, Information erlaubt

kanzlei.biz | 5. April 2012 — Eigener Leitsatz: Das Verbot der Öffentlichkeitswerbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel (10 Abs. 1 HWG) gilt nicht für s…

BGH: Zum urheberrechtlichen Schutz einer Datenbank vor regelmäßige Entnahmehandlungen

Beckmann und Norda Rechtsanwälte Bielefeld | 26. Mai 2011 — BGH Urteil vom 01.12.2010 I ZR 196/08 Zweite Zahnarztmeinung II UrhG § 87a Abs. 1 Satz 1, § 87b Abs. 1 Satz 1 und 2 Der BGH hat si…

BGH: Zum urheberrechtlichen Schutz einer Datenbank vor regelmäßigen Entnahmehandlungen

Beckmann und Norda Rechtsanwälte Bielefeld | 26. Mai 2011 — BGH Urteil vom 01.12.2010 I ZR 196/08 Zweite Zahnarztmeinung II UrhG § 87a Abs. 1 Satz 1, § 87b Abs. 1 Satz 1 und 2 Der BGH hat si…

Bundesgerichtshof: Entscheidung über die Zulässigkeit von Rabatten und Zugaben durch Apotheken

fachanwaltsliste.de | 14. September 2010 — Urteil vom 9. September 2010 - I ZR 193/07 - UNSER DANKESCHÖN FÜR SIE OLG Bamberg - 3 U 24/07 - Urteil vom 31. Oktober 2007 …

BGH: Rabatte und Zugaben bei verschreibungspflichtigen Medikamenten sind verboten

LBR-Blog | 10. September 2010 — Der u. a. für das Wettbewerbsrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat heute in sechs am 15. April 2010 verha…