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Sind gefälschte Fälschungen eigentlich Fälschungen?

am 19.04.2006 von strafblog

Ein interessantes strafrechtliches Problem bringt der SPIEGEL in seiner heutigen Online-Ausgabe zur Sprache. Da hat eine 48-jährige Frau in Fernost alte Meister nachmalen lassen und mit dem Signet des Hitlertagebuchfälschers Konrad Kujau versehen, der auch als Imitator großer Maler in Erscheinung getreten war und hiermit nach Verbüßung seiner dreijährigen Haftstrafe gutes Geld verdient hatte. Rund 500 Bilder hat die Frau als Originalfälschungen im Internet angeboten und damit nach dem bisherigen Ermittlungsstand rund 550.000 Euro erlöst. Ist doch was, oder?

Der SPIEGEL sieht das Problem so: Die gefälschte Fälschung: Die kunstsinnige Betrügerin machte Ernst mit der Einsicht, dass Authentizität auch nur eine Frage der Perspektive ist. Und wirft darüber hinaus schwierige Fragen auf: Wenn das Original eine Fälschung ist, welchen ontologischen Status hat dann die Fälschung der Fälschung? In welcher Verbindung stehen gefälschte Fälschung und Vorlage der Fälschung? Und ist der gefälschte Kujau nicht eigentlich ein Kujau höherer Ordnung? Ein potenzierter quasi, indem sich die verdoppelte Falschheit zur kreativen Echtheit verdichtet?

Hätte ich auch nicht besser ausdrücken können und überlasse die Beantwortung der Fragestellung meinen Bloglesern.


Autor: RA Rainer Pohlen

Kanzlei POHLEN + MEISTER

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