Setzt Erlanger Jobcenter Arbeitssuchende unter Druck?
Über Probleme mit Eingliederungsvereinbarungen, die in der Hartz IV-Beratung aufgetreten sind, hatte das Erlanger Sozialforum die
Mitglieder des Stadtrats in einem offenen Brief informiert. Inzwischen ist das Thema im Sozialausschuss gelandet. Vermittlungshemmnis
Arbeitslosigkeit“: Für den gesunden Menschenverstand ist es eine Köpenickiade, wenn einem Arbeitssuchenden dies von einem attestiert wird. Doch genau mit diesem und
weiteren, allerdings schwerwiegenderen Kritikpunkten am mit der Stadt kooperierenden Jobcenter GGFA ist das Erlanger Sozialforum
kürzlich an die Stadträte herangetreten. Nach einem Fraktionsantrag der Linken wurde die GGFA beauftragt, Stellung zu nehmen. Das hat
sie nun getan und ihre Ausführungen den Stadträten im Sozialausschuss vorgelegt. Damit ist das Thema jedoch nicht vom Tisch. Es wurde
vereinbart, dass es zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf die Tagesordnung kommt — dann nämlich, wenn die Betroffenen selbst zu Wort
gekommen sind: Das Amt für Statistik soll jetzt eine Umfrage unter Hartz IV-Empfängern durchführen. Doch worum geht es nun genau?
Sogenannte Eingliederungsvereinbarungen, kurz EGV, sollen laut Gesetz zur Eingliederung von Hartz IV-Empfängern in den beitragen. Wer sie unterschreibt, erklärt sich
damit einverstanden, zum Beispiel an Bildungsmaßnahmen oder Förderhilfen teilzunehmen. Direkt kann man nicht zur Unterschrift
gezwungen werden — indirekt zur Teilnahme aber dann doch: Jobcenter dürfen den Inhalt einer verweigerten Vereinbarung dem Hartz
IV-Empfänger per Bescheid auferlegen. Der kann sich wehren und beim Jobcenter Widerspruch einlegen. Falls das Jobcenter den
Widerspruch ablehnt, kann der Kunde beim Sozialgericht Klage einlegen. Eine kurzfristige Bildungsmaßnahme kann dann, bei
Verfahrenszeiten von etwa einem Jahr, zu einer Art Marathon ausarten. Sozialforum will Rücktrittsrecht In dieser Regelung ist
reichlich Konfliktstoff enthalten — und zwar auch schon gleich zu Anfang, wenn Arbeitssuchende erstmals Eingliederungsvereinbarungen
vorgelegt bekommen. „Wir wollen sicher sein, dass Leute nicht unter Druck gesetzt werden, etwas zu unterschreiben, was sie eigentlich
gar nicht wollen“, sagt Florian Pöhlmann vom Sozialforum. Doch viele Leute, die die Hartz IV-Beratung des Sozialforums aufsuchen,
würden darüber klagen, dass genau dies bei der GGFA gemacht werde. Deshalb, so Pöhlmann, wolle das Sozialforum, dass ein 14-tägiges
Rücktrittsrecht eingeführt werde. Denn dann hätten GGFA-Mitarbeiter nichts davon, wenn sie Druck ausübten. Kritik kommt vom
Sozialforum auch zu einer Reihe von anderen Punkten — und mündet in dem Vorwurf, dass bei der GGFA nicht auf die Leute eingegangen
und teilweise auch schlampig gearbeitet werde. So hart wollte …
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