"Servicepartner" sind keine "Vertragspartner"

Amtlicher Leitsatz:

Entsteht beim angesprochenen Verkehr durch die Verwendung des Begriffs "Vertragspartner" der unzutreffende Eindruck, der Werbende sei "Vertragshändler" eines Automobilherstellers, so liegt darin eine wettbewerbsrechtlich relevante Irreführung.

Bundesgerichtshof

Urteil vom 17. März 2011

Az.: I ZR 170/08

Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 17. März 2011 durch den Vorsitzenden Richter Prof. Dr. Bornkamm und die Richter Pokrant, Dr. Schaffert, Dr. Kirchhoff und Dr. Löffler für Recht erkannt: Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des 14. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Dresden vom 23. September 2008 aufgehoben. Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Revision, an das Berufungsgericht zurückverwiesen. Von Rechts wegen

Tatbestand:

Die Parteien sind in Görlitz Wettbewerber beim Vertrieb von Kraftfahrzeugen. Der Kläger nimmt die Beklagte auf Unterlassung von Werbeaussagen in Anspruch, die er für irreführend hält. Die Beklagte, die in Görlitz das Autohaus L. betreibt, ist Servicepartnerin, nicht aber Vertragshändlerin des Automobilherstellers Ford. Sie stellte vom 14. bis 18. August 2006 in einem Einkaufszentrum in Görlitz einen Pkw Ford Fiesta aus, den sie im März 2006 von einem Ford-Vertragshändler erworben hatte. An den für die Kennzeichen vorgesehenen Flächen waren Schilder mit der Aufschrift „Neuwagen“ angebracht. In einem hinter einer Seitenscheibe platzierten Prospekt fanden sich - neben drucktechnisch hervorgehobenen Angaben zum Barpreis und zu einer Finanzierungsmöglichkeit - in kleinerer Schrift unter anderem folgende Hinweise: „Deutsches Modell mit Tageszulassung 03/06 … Garantiebeginn 03/06“. Auf der Frontscheibe des Fahrzeugs war jedenfalls am 18. August 2006 folgender Vermerk in magentafarbener Leuchtschrift angebracht: „Autohaus L. - Ihr Ford-Vertragspartner“. Der Kläger hat die Ansicht vertreten, die Bewerbung des ausgestellten Fahrzeugs als „Neuwagen“ sei angesichts der fünf Monate alten Tageszulassung irreführend. Gleiches gelte für den auf der Frontscheibe angebrachten Hinweis, mit dem die Beklagte wahrheitswidrig suggeriere, sie sei Ford-Vertragshändlerin. Das Landgericht hat die Beklagte unter Androhung von Ordnungsmitteln verurteilt, es zu unterlassen, im geschäftlichen Verkehr zu Zwecken des Wettbewerbs zu behaupten oder durch Dritte behaupten zu lassen, 1. dass ein Pkw mit einer fünf Monate alten Tageszulassung ein Neuwagen ist, 2. Ford-Vertragspartner zu sein und dadurch den Eindruck zu erwecken, Ford-Vertragshändler zu sein. Die Berufung der Beklagten ist erfolglos geblieben. Mit der vom Senat zugelassenen Revision verfolgt die Beklagte ihren Antrag auf Abweisung der Klage weiter. Der Kläger beantragt, das Rechtsmittel zurückzuweisen.

Entscheidungsgründe: </…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Urteile , Gewerblicher Rechtsschutz , Kennzeichen , Dresden , Ford , Schrift , Schilder , Autohaus
Rechtsgebiet: Wettbewerbsrecht

Erschienen 13. September 2011 auf http://www.kanzlei.biz/.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

BGH: Der “Servicepartner” eines Automobilherstellers darf nicht den Eindruck eines “Vertragshändlers” erwecken

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 18. September 2011 — BGH, Urteil vom 17.03.2011, Az. I ZR 170/08 § 3 UWG, § 5 Abs. 1 UWG Der BGH hat entschieden, dass ein Autohaus, welches…

BGH: Darf ein „Servicepartner“ eines Automobilherstellers mit dem Zusatz „Vertragspartner“ werben?

Kurz Pfitzer Wolf | 6. Dezember 2011 — Was war passiert?Das Autohaus L. in Görlitz ist Servicepartner der Firma Ford. In dessen Autohaus wurde ein Ford Fiesta mit d…

Vertragspartner oder Vertragshändler

Rechtslupe | 13. September 2011 — Es liegt eine wettbewerbsrechtlich relevante Irreführung vor, wenn durch die Verwendung des Begriffs “Vertragspartner” der unzu…

Wann ist Werbung mit der Bezeichnung „Vertragshändler“ irreführend?

Blog für Gewerblichen Rechtsschutz | 7. Februar 2012 — Eine irreführende geschäftliche Handlung ist insbesondere in § 5 UWG geregelt. Danach handelt irreführend, wer unwahre Angabe…

BGH: Wettbewerbswidrige Irreführung durch den Begriff "Vertragspartner" in der Werbung eines Autohändler, der nicht "Vertragshändl…

Beckmann und Norda Rechtsanwälte Bielefeld | 12. September 2011 — BGH Urteil vom 17.03.2011 I ZR 170/08 Ford-Vertragspartner UWG §§ 3, 5 Abs. 1 Leitsatz des BGH: Entsteht beim angesprochenen Verke…

BGH: Hermes-Werbung unzulässig – zur Irreführung bei Paketpreisvergleichen

Dr. Graf | 30. Juni 2010 — Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 19.11.2009 (Az. I ZR 141/07) entschieden: 1. Die Unvollständigkeit oder Einseitigk…

Bundesgerichtshof : Kein Wettbewerbsverstoß durch Einordnung eines Gebrauchtwagenangebots in einer falschen Suchrubrik zum Kilomet…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 7. Oktober 2011 — BGH, Urteil vom 06.10.2011 I ZR 42/10; Vorinstanzen: LG Freiburg - Urteil vom 12.06.2009 - 10 O 5/09; OLG Karlsruhe - Urteil vom 0…

Falsche Suchrubrik

kanzlei.biz | 6. Februar 2012 — Amtlicher Leitsatz: Stellt der Verkäufer eines Gebrauchtfahrzeugs sein Angebot auf einer Internethandelsplattform in eine Suchrubr…

LG Bonn: Ein “Neufahrzeug” mit einer eigenmächtigen Tageszulassung des Händlers ist mangelhaft

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 19. April 2010 — LG Bonn, Urteil vom 13.11.2009, Az. 2 O 225/09 §§ 433 Abs. 1 S. 1; 434 Abs. 1 S. 1 BGB Das LG Bonn hat entschieden, dass de…

Unterlassungsanspruch bei Werbeanruf nicht auf bestimmte Werbung beschränkt

kanzlei.biz | 1. April 2011 — Amtlicher Leitsatz: Verbotsantrag bei Telefonwerbung UWG 2004 § 7 Abs. 2 Nr. 2 Fall 1; ZPO § 253 Abs. 2 Nr. 2 a) Ein Verbotsantrag…