Seltsames Erlebnis in Berlin
Berlin Innenstadt. Aus einem am Straßenrand parkenden Auto ruft mich jemand heran, mit einem Stadtplan gestikulierend. Ich trete durch den kleinen Schneeberg heran, eigentlich nur, um dem Mann auf dem Beifahrersitz höflich zu sagen, dass ich selbst fremd hier sei.
Der gut gekleidete Italiener in einem durchaus vorzeigbaren Auto will jedoch nur ungefähr wissen, wie man auf die Autobahn findet und verwickelt mich in ein Gespräch. Er und sein Kumpel wollten zum Gardasee, da müsse er wohl nach Süden. Er macht mir plötzlich Komplimente, ich sei ein netter Mann, fragt, ob ich Italien möge. Klar, jeder Deutsche mag irgendwie Italien. Er wolle mir ein Geschenk machen. Ich werde stutzig. Ist das eine Guerilla-Werbeaktion? Ist das ein Test? Versteckte Kamera?
Er zeigt mir einen Kleidersack einer bekannten italienischen Marke, der zwei italienische Anzüge enthält so wie Hemden (nur knapp zu groß), Gürtel und Krawatten. Er wolle sie mir schenken, dass sei eine Art Werbung er arbeite hier im [bekanntes Kaufhaus]. Er reicht mir den Kleidersack durch das Autofenster, die seien über 3.000,- Euro wert. Ich lehne mehrfach ab, aber er insistiert, bis ich das Zeug schließlich in Händen halte und überlege, ob die Anzüge sitzen würden (ich trage eigentlich nur Maßanzüge). Ist der Typ ein verrückter Millionär, der einen guten Tag hat?
Lächelnd reiche ich ihm den Kleidersack wieder zurück. Ich kann mir von einem Fremden nichts schenken lassen. Ich erinnere mich an einen Professor, der mal sagte: „Wenn Ihnen irgendjemand was schenken will, gehen Sie nicht weg – rennen Sie!“
Nun rückt der spendable Italiener endlich mit seinem Begehr heraus. Er und sein Freund müssten übers Wochenende zum Gardasee, Montag sei er wieder in Berlin. Ich nicht. Woher ich komme? Der temperamentvolle Mann mit den guten Manieren verwickelt mich in ein Gespräch.
Beide hätten beim Glücksspiel alles verloren. Seine Frau dürfe das nicht erfahren. Die EC-Karte würde auch nichts ausspucken. Ob ich helfen könne. Er würde es zurückzahlen. Ich könne gerne die Anzüge behalten, aber er habe gerade das Problem, dass er kein Benzin mehr im Tank hätte und irgendwie zum Gardasee. Mein Statement, ich hätte kaum Bargeld dabei beeindruckt den Charmeur nicht. Er bittet mich, mit ihm zur Sparkasse zu fahren. Mehr aus Gaudi steige ich ein, darf sogar vorne sitzen. Der andere Typ sagt kein Wort. Ich frage, was er denn konkret wolle. Ob ich eine Tankfüllung auslegen solle. Der Mann erzählt mir in gebrochenem Deutsch etwas über die Maut in Österreich, auch brauche er mehrere Tankfüllungen. Er denkt so an 200 Euro. Allein die Anzüge seien über 3.000,- Euro wert.
Es hat den Anschein, als wollten die beiden plötzlich mit mir in eine Tiefgarage fahren. Ich bleibe cool, das war nur ein Wendemanöver. Während ich dem Mann erkläre, dass vielleicht seine Botsch…
» Vollständiger ArtikelThemen: Italien , Guerilla , Innenstadt , Stadtplan , Kaufhaus , Krawatten , Seltsames Erlebnis
Erschienen 14. Januar 2010 auf http://www.kanzleikompa.de.
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