Seltsame Doppelmoral der ZEIT?

„Einer wurde geheilt“ – Mit dieser Headline berichtet die ZEIT sensationsbegehrlich (und aus Auflagensicht verständlich) über „ein Wunder“, das Berliner Ärzten gelungen sei. Nämlich einen von weltweit 33 Millionen mit dem Aids-Virus HIV infizierten Patienten zu heilen.

Die Meldung mag Sensation sein. Medizinisch. Das aber ist nicht das Thema, das einem auffällt und aufstösst, gleich bei den ersten Zeilen des Beitrags unter dem Bild, mit dem er aufgemacht wird:

„Er ist einverstanden.« Eckhard Thiel legt den Hörer auf und schaut hoch: »Kein Name, keine Fotos«, sagt der Arzt. »Er kommt jetzt runter.“

So weit – so auf ersten Blick gut?

Kein Name, keine Fotos?? Falsch. Denn :

Der Beitrag erscheint MIT FOTO. Einem Foto aus

einer Fotoagentur, anstelle von einem mit dem Betroffenen, der im Beitrag dann „Neil“ genannt wird. Letzterer will nicht gezeigt werden, das ist ausser Frage zu respektieren und nur allzu verständlich. Ohne wenn und aber und ohne dass es eines Wortes bedürfte, sich dafür überhaupt Gründe nennen lassen oder geben zu müssen. Es ist der NORMal-Status, der jedem Patienten als selbstverständlich zusteht und auch NORMalstandard bei wissenschaftlichen und medizinischen Meldungen jenseits der NORM gelten sollte.

Die Frage stellt sich damit aber dann erst recht: Warum dann nicht auch ein Beitrag wirklich ohne Bild. Ohne Bild oder mindestens ohne Bild mit einem Patienten X. Nicht nur deswegen, weil hier eine verschenkte Chance lag, ganz nebenbei auch das mal „rüber zu bringen“: Patienten haben ein empfundenes Bedürfnis auf Daten- und Persönlichkeitsschutz. Wie sensationsträchtig ihr Schicksal auch sein mag. Das der Erkrankung, das der Heilung gleichermassen. Im Fall von HIV und Aids (wie auch im Fall von anderen Erkrankungen), die in der Gesellschaft keineswegs unproblematisch bis heute vom Umfeld, privat, am Arbeitsplatz etc)wahrgenommen werden und auch entsprechende Reaktionen erwarten lassen (und „Neil“ bereits widerfuhren), gilt das verständlicherweise umso mehr. Ob es anders wünschens- und erstrebenswert ist und jeder (auch Nicht-Prominente) mit dem Outing einer eigenen Krankheit, ihres Verlaufs und ihrer Heilung anderen Mut machen soll? Muss? Nein. Weder Prominente, noch Nichtprominente. Hier setzt ein Patient – aus welchen individuellen Überlegungen und Empfindungen bei ihm ganz persönlich – diese Schranke und damit einZeichen. Man hätte es aufgreifen und im Verzicht auf ein Bild mit einem abgebildeten Menschen damit ohne ein weiteres Wort darüber (neben dem ohnehin erfolgten Zitat des Arztes dazu) „spiegeln“ können. Denn DAS wäre der Normalzustand: Schutz von Patienten und Patientendaten und Behandlungsdetails, wie sie der ärztlichen Schweigepflicht entsprechen. Mag der Arzt sich abbilden lassen. Das aber unterbleibt. Stattdessen ein Bild aus einer Agentur mit einem (n…

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Themen: Kommentar , Bild , Hiv , Aids , Erkrankung , Sensation , Medizin- Und Gesundheit(srecht) , News & Medien

Erschienen 19. Juli 2010 auf http://jusatpublicum.wordpress.com.

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