Schweizerische Arbeitgeber auf graphologischen Abwegen
Graphologie befasst sich gemäss «mit [der]
der Handschrift von Individuen zum Zweck der
psychologischen Diagnostik und Beratung». Früher wurde Graphologie häufig von Arbeitgebern zur Beurteilung von Stellenbewerbern
genutzt. Heute gilt Graphologie als Pseudowissenschaft, da es keinen wissenschaftlichen Beweis für einen Zusammenhang zwischen
Handschrift und Persönlichkeitsmerkmalen gibt.
Graphologie bei schweizerischen Arbeitgebern
Die Erkenntnis, dass Graphologie als Pseudowissenschaft nicht zur Beurteilung von Stellenbewerbern geeignet ist, wird in der Schweiz
von verschiedenen privaten und öffentlichen Arbeitgebern ignoriert. Sie nehmen ihre weiterhin oder gar vermehrt wieder graphologisch unter die Lupe, wie die
Wochenzeitung «Weltwoche» in ihrer Ausgabe 40/2011 berichtete (Artikel leider nicht verlinkbar):
[…] Der Baukonzern Implenia, der Haushaltgerätehersteller Miele, die Maschinen-Fabrik Netstal, der VCS oder das Laufbahnzentrum der
geben grafologische in Auftrag.
Anekdoten der oben erwähnten sollen
beweisen, dass die Methode der Graphologie entgegen der wissenschaftlichen Kritik funktioniert:
Thomas Foery ist bei Implenia. Er
sagt, Assessment-Center hätten Schwächen. «Leute, die das gewohnt sind, entwickeln entsprechende Skills.» Dasselbe sagt Hans
Wyssmann, Personalchef des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS): «Psychologische Tests kann man durchschauen und manipulieren. Die
Handschrift dagegen ist direkt und persönlich» (SGG-Bulletin, Juli 2011). […] Bruno Franzen besass Interhome, eine
Ferienhaus-Vermittlung. «Weil ich nicht alle Bewerberinnen und Bewerber persönlich treffen konnte, die in unseren Lokalstellen im
Ausland arbeiten wollten, waren für mich die grafologischen Gutachten sehr nützlich und wertvoll» (SGG-Bulletin, Nov. 2009). Im
Laufbahnzentrum der Stadt Zürich haben «Beratende oft nur begrenzt Zeit, die ratsuchende Person kennenzulernen», wie der
Personalverantwortliche, Jürg Enderli, sagt. Ein «Grafo» könne in «effizienter Weise viele wertvolle In formationen liefern».
Auch bei der Stadt Winterthur und beim wurde Graphologie genutzt:
Fritz Lang war zwölf Jahre Personaldirektor der Stadt Winterthur, zuvor Leiter des kantonalen Personalamts. Der studierte Jurist
schwört auf die Grafologie. Sie sei effizient und gleich aussagekräftig wie Einzel-Assessments, vor allem hinsichtlich
Persönlichkeit, Arbeitshaltung und Intelligenz. Er stiess mit seiner Überzeugung oft auf Skepsis, konnte je doch wiederholt «bei
Behördenmitgliedern und Kaderangehörigen ein gewisses Umdenken konstatieren».
Graphologie im schweizerischen Arbeitsrecht
Graphologie zur Beurteilung von Stellenbewerbern ist im schweizerischen nicht untersagt. Bei ihrer Verwendung müssen a…
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