Schneider in Saarbrücken, Gelowicz beim Höllen-Engel

Die Urteile gegen die vier Mitglieder der “Sauerland-Gruppe” sind bekanntlich rechtskräftig. Entsprechend sind die vier Verurteilten in unterschiedliche Gefängnisse verlegt worden, um ihre Strafhaft zu verbüßen. Dabei sind verschiedene Überlegungen berücksichtigt worden: Prinzipiell soll Strafhaft heimatnah erfolgen - zum Schutz der Sozialkontakte. Auch Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten können ein Kriterium sein (auf das beispielsweise Daniel Schneider hofft). Schließlich wird bei Terrorgruppen oder kriminellen Vereinigungen in der Regel versucht, nicht mehrere Täter in dem gleichen Gefängnis unterzubringen. Aktuell sieht die Situation für die “Sauerländer” so aus:

Fritz Gelowicz (12 Jahre Haft) sitzt in der JVA Bruchsal. Das Gefängnis, dessen letzter prominenter Strafhäftling RAF-Terrorist Christian Klar war, liegt näher an seinem Heimatort Ulm, als das bisherige Gefägnis Düsseldorf. Zudem ist Gelowicz in Bruchsal nahe an seinen Strafverteidigern Dirk Uden und Hannes Linke (beide Kalrsruhe), die Hoffnung auf die Resozialisierung ihres Mandanten hegen. Unfreiwillig ist Gelowicz mit der Verlegung nach Bruchsal auch seiner Frau näher gekommen, als ursprünglich gedacht. Sie wohnt inzwischen nicht mehr in Ulm, sondern sitzt in Bühl, 80 Kilometer südlich von Bruchsal, wegen Unterstützung der IJU in Untersuchungshaft. Gegenseitige Besuche dürften derzeit ausgeschlossen sein - selbst nach den Regeln des NRW-Strafvollzugs. Zu sehen bekommt Fritz Gelowciz dafür derzeit offenbar regelmäßig einen Höllen-Engel. Denn in Bruchsal sitzt gerade ein weiterer “schwerer Fall”: Ein Mitglied der Hell’s Angels, der ebenfalls eine langjährige Strafe absitzt. Die beiden haben gemeinsamen Hofgang - sich aber wohl nicht viel zu sagen. Ob Alkohol, Glaubensfragen oder die Rolle von Jungfrauen im Dies- und Jenseits: Die Ansichten der beiden dürften höchst unterschiedlich sein.

Adem Yilmaz (11 Jahre Haft) saß bislang in Wuppertal und soll nach Weiterstadt in Südhessen verlegt werden. Damit wäre er nahe an seiner Heimatstadt Langen - was wiederum die Bewährungshelferin seines Bruders nicht unebdingt freuen dürfte. Auch das Gefängnis hat übrigens einen RAF-Bezug: Am 23. März 1993 verübte die RAF einen Bombenanschlag auf das Gebäude, während die JVA gebaut wurde. Die Explosion richtete einen Millionenschaden an und verzögerte die Fertigstellung des Gefängnisses um mehrere Jahre. Es war eine Explosion, die nach Art und Umfang dem Geschmack von Adem Yilmaz entsprochen haben dürfte. Boah.

Daniel Schneider (12 Jahre Haft) hoffte auf eine Verlegung nach Freiburg. Dort hätte er die Möglichkeit gehabt, in einem besonderen JVA-Projekt das Abitur nachzuholen. Fast wie in einer richtigen Schule ist das in Freiburg möglich. Doch nachdem seine Verteidiger Johannes Pausch (Düsseldorf) und Bernd Rosenkranz (Hamburg) zunächst positive Signale vernommen zu haben glaubten, scheiterte die Verlegung nac…

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Themen: Raf , Jva , Bruchsal , Jungfrauen , Angels , Christian Klar , Daniel Schneider , Fritz Gelowicz , Yilmaz , Dirk Uden , Ottmar Breidling , Adem Yilmaz , Atilla Selek , Volker Brinkmann , Selek , Johannes Pausch , Karl Engels , Hannes Linke

Erschienen 23. April 2010 auf http://www.swr.de/blog/terrorismus.

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