Schmidt: Kassen müssen von Ärzten mehr Qualität einfordern

Berlin (Reuters) - Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat die gesetzlichen Krankenkassen aufgefordert, im Gegenzug zu den steigenden Arzthonoraren von den Medizinern ab dem nächsten Jahr bessere Leistungen einzufordern.

Wenn die Versicherten mehr für die Vergütung aufbrächten, müssten die Kassen bei Vertragsabschlüssen dafür sorgen, "dass endlich Schluss ist in den Praxen mit einem unterschiedlichen Service für privat und gesetzlich Versicherte", forderte die SPD-Politikerin am Donnerstag in der Haushaltsdebatte im Bundestag. Auch müsse eine bessere Qualität angeboten werden.

Im Streit über die künftige Finanzierung der Krankenhäuser bekräftigte Schmidt, dass auch die Länder ihren Beitrag leisten müssten. Die Koalition sei bereit, mit der geplanten Reform einen Teil der aus den Tarifsteigerungen resultierenden Mehrausgaben für die Kliniken zu tragen. Auf Dauer könne nicht geduldet werden, dass zulasten der Beschäftigten vorgesehene Versichertengelder für Investitionen genutzt werden müssten, "nur weil die Länder ihre Verantwortung hier nicht übernehmen". Notwendig sei eine duale Finanzierung. Die Länder hatten die von Schmidt geplanten festen Investitionspauschalen abgelehnt.

Schmidt verteidigte zugleich den geplanten Gesundheitsfonds und den künftigen Einheitsbeitrag. Der Finanzpool sorge dafür, dass die Gelder gerecht verteilt würden und das Geld dorthin fließe, wo viele kranke Menschen seien. Dies sei gerecht.

Scharfe Kritik am Fonds kam erneut von der Opposition. Linken-Gesundheitsexperte Frank Spieth monierte, künftige Kostensteigerungen würden einseitig von den Arbeitnehmern und Rentnern geschultert, da die Kassen für sie Zusatzprämien erheben könnten. Die Unternehmen müssten dagegen erst 2013 wieder mit steigenden Beiträgen rechnen. Grünen-Parlamentarierin Birgitt Bender kritisierte, der Beitragsatz werde auf ein Allzeithoch von 15,5 oder gar 16 Prozent klettern. Dafür trage allein die große Koalition Verantwortung. Versicherte und Arbeitgeber würden um je drei bis fünf Milliarden Euro zusätzlich belastet. Auch FDP-Gesundheitsexperte Daniel Bahr sagte voraus, die Beiträge würden weiter steigen. Schmidt erkaufe sich derzeit Ruhe bei Ärzten und Kliniken durch Versprechungen auf mehr Geld. Die Konsequenz sei eine Politik, die die Versorgung verschlechtere und in ein zentralistisches Gesundheitswesen münde.



Quelle: Reuters (18. September 2008)

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Berlin , Krankenkassen , Ulla Schmidt

Erschienen 18. September 2008 bei http://www.reuters.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Kabinett beschließt endgültig Rekord-Kassenbeitrag

Reuters | 29. Oktober 2008Berlin (Reuters) - Der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung steigt im nächsten Jahr auf das Rekordniveau von 15,5 Proze…

Bundestag schafft Voraussetzungen für Gesundheitsfonds

Reuters | 17. Oktober 2008Berlin (Reuters) - Der umstrittene Gesundheitsfonds hat elf Wochen vor dem geplanten Start die letzte parlamentarische Hürde ge…

Beitragssätze 2010: Schmidt: Kassen-Beitrag bleibt auch 2010 stabil

Reuters | 7. Oktober 2008Berlin (Reuters) - Der Krankenkassenbeitrag wird nach der geplanten Anhebung auf 15,5 Prozent im kommenden Jahr nach den Worten…

Koalition stimmt Bürger auf höhere Gesundheitsausgaben ein

Reuters | 26. September 2008Berlin (Reuters) - Kurz vor den entscheidenden Beratungen über den Beitragssatz für den Gesundheitsfonds stimmt die Koalition d…

Regierung beschließt Rekord-Kassenbeitrag

Reuters | 29. Oktober 2008Berlin (Reuters) - Der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung steigt im nächsten Jahr auf das Rekordniveau von 15,5 Proze…

Schmidt riskiert bei Klinikfinanzierung Streit mit Ländern

Reuters | 23. Juli 2008Berlin (Reuters) - Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt riskiert bei der künftigen Krankenhausfinanzierung einen heftigen S…

Schmidt scheitert mit Plänen für Klinikreform an Ländern

Reuters | 3. Juli 2008 — Plön (Reuters) - Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ist mit ihren Plänen für eine grundlegend neue Krankenhausfinanzierun…

Schmidt bei Klinikfinanzierung unnachgiebig

Reuters | 30. August 2008Berlin (Reuters) - Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt will sich im Streit um die Krankenhausfinanzierung den Forderungen …

Bundestag schafft letzte Voraussetzungen für Gesundheitsfonds

Reuters | 17. Oktober 2008Berlin (Reuters) - Der Bundestag hat die letzten gesetzlichen Grundlagen zur Einführung des umstrittenen Gesundheitsfonds zum 1…

Knappschaft 2010 Prämie: Krankenkasse plant Prämie zur Entlastung für Mitglieder

Reuters | 9. Oktober 2008Berlin (Reuters) - Als erste gesetzliche Krankenkasse plant die Knappschaft für das nächste Jahr eine Beitragsrückerstattung an…